Zehn Siegel für nachhaltige Textilien

Vegane Kleidung, nachhaltige Mode, Fair Fashion – es war nie einfacher und gleichzeitig schwerer ökologisch einzukaufen.

Einerseits gründeten sich in den letzten 15 Jahren immer mehr kleine Modelabel, die ökologische Mode mit zeitgemäßen Schnitten kombinieren und auf faire Arbeitsbedingungen achten. Andererseits mag den auf Nachhaltigkeit achtenden Einkäufer die Anzahl der Öko-Label und Fair-Trade-Siegel überwältigen. Einen Überblick soll unser Siegel-Guide liefern.

Blauer Engel

Der Blaue Engel ist der Oldie der Umweltsiegel: Das offizielle Umweltzeichen des Bundesumweltministeriums wurde bereits 1978 erstmals an Unternehmen verliehen. Es garantiert hohe Standards zum Schutz unserer Umwelt und Gesundheit und findet sich (unter anderem) auf Natur- als auch Kunstfasertextilien. Das Siegel gewährleistet, dass die Produkte besonders umweltschonend hergestellt werden, dass also keine gesundheitsschädlichen Chemikalien zum Einsatz kommen und dass die Produkte hochwertig produziert wurden. Über die Einhaltung sozialer Standards jedoch sagt das Siegel nichts aus.

GOTS (Global Organic Textile Standard)

Das GOTS-Siegel ist relativ weit verbreitet und wird vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e. V. (IVN) vergeben. Ein weiteres Gründungsmitglied ist die britische SOIL Association. Es steht für enorm hohe ökologische Produktionsstandards und besagt, dass 95 Prozent (Variante 1), bzw. 70 Prozent (Variante 2) der Kleidung aus Bio-Naturfasern bestehen muss. Außerdem wird der Einsatz von schädlichen Chemikalien weitestgehend vermieden. Die strikte Einhaltung dieser Umweltkriterien während des gesamten Produktionskette wird regelmäßig von unabhängigen Zertifizierungsstellen geprüft. Zudem garantiert das GOTS-Siegel soziale Mindeststandards, wie das Verbot von Kinder- oder Zwangsarbeit, Arbeitsschutz und die Zahlung von Mindestlöhnen, die jedoch nicht zwangläufig existenzsichernd sind.

EU Ecolabel

Das EU Ecolabel wurde bereits 1992 von der Europäischen Kommission herausgegeben und ist über die EU-Mitgliedstaaten hinaus auch in Norwegen, Island, der Türkei und der Schweiz anerkannt. Es findet sich, so wie der Blaue Engel auch, auf Natur- wie auch auf Kunstfasertextilien. Auf der Agenda des Eco-Siegels steht die Einhaltung ökologischer sowie sozialer Mindeststandards, wie etwa das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit sowie bestimmter Chemikalien.

Fairtrade Cotton

Das Fairtrade Cotton-Siegel steht für faire Arbeitsbedingungen beim Baumwollanbau und fördert insbesondere Kleinbauern beim Umstieg auf Biobaumwolle. Gentechnik ist verboten, der Einsatz von synthetischen Pestiziden und Düngern ist eingeschränkt. Textilien, die mit diesem Label ausgezeichnet sind, müssen zu 100 % aus Fairtrade-zertifizierter Baumwolle bestehen. Für die Weiterverarbeitung gelten soziale Mindeststandards.

Fairtrade Textilsiegel

Das 2016 eingeführte Fairtrade-Textilsiegel verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und deckt als erstes Textilsiegel die gesamte Produktionskette ab. So werden etwa die Zahlung von existenzsichernden Löhnen (innerhalb eines Zeitraumes von 6 Jahren), das Verbot von umweltschädlichen Chemikalien, umfangreiche Arbeitssicherheitsmaßnahmen sowie Schulungen zur Aufklärung über Arbeiterrechte eingefordert. Darüber hinaus werden gezielt langfristige Geschäftsbeziehungen gefördert. Begleitend zu dem Siegel erhält der Konsument Informationen, ob die Zahlung existenzsichernder Löhne bei der Herstellung dieses Produkts bereits erreicht wurde. Aber aufgepasst: Das Fairtrade Textilsiegel bezieht sich lediglich auf ausgewählte Lieferketten, also teilweise nur auf einzelne Kollektionen und nicht auf die Produktion der gesamten Produktpalette, weshalb hier unter Umständen die Gefahr des Greenwashing besteht. Für genaue Informationen deshalb also unbedingt auf den beiliegenden Text achten.

Fair Wear Foundation

Die niederländische unabhängige Stiftung Fear Wear Foundation ist eine Multi-Stakeholder-Initiative, die in 15 Produktionsländern innerhalb von Europa, Afrika und Asien aktiv ist. Sie hat es sich zum Ziel gemacht, die sozialen Bedingungen in der Textilindustrie zu verbessern. So setzt sie sich für die Umsetzung der ILO-Kernarbeitsnormen und die Zahlung existenzsichernder Löhne ein. Die Initiative führt regelmäßig Kontrollen durch. Um mehr Transparenz für die Konsumenten zu gewährleisten, veröffentlicht die FWF die jeweiligen Kontrollergebnisse seiner Mitgliedsunternehmen regelmäßig auf seiner Webseite. Auf die Einhaltung von Umweltkriterien wird bei diesem Siegel jedoch nicht geachtet.

IVN Best Naturtextil

Wie der Name bereits verrät, wurde dieses Siegel ebenfalls vom IVN entwickelt. Es bietet derzeit die höchsten Öko-Standards in der Textilbranche. Der Anteil der biologisch erzeugten Naturfasern muss hier glatte 100 Prozent betragen. Zudem verlangt das Siegel von den Unternehmen eine möglichst ressourcenschonende Produktion sowie Nachweise über ihr Umwelt- und Chemikalienmanagement. Im Vergleich zu GOTS sind auch die soziale Anforderungen höher: IVN Best Naturtextil garantiert unter anderem existenzsichernde Löhne beim Anbau und während der Weiterverarbeitung. Es fehlen derzeit allerdings noch effektive Kontrollinstrumente zur Überprüfung.

MADE-BY

Die niederländische Initiative MADE-BY hat es sich zur Aufgabe gemacht, die ökologischen und sozialen Bedingungen in der Modeindustrie zu verbessern und setzt sich für transparente Produktionsbedingungen ein: Mithilfe des Tools »MODE Tracker« bewertet die NGO regelmäßig die nachhaltigen Produktionsstandards von Unternehmen und fördert diese auf dem Weg, sichtbare Nachhaltigkeitsfortschritte zu machen.

Öko-Tex Standard

Der Öko-Tex Standard garantiert, dass die Endprodukte frei sind von Schadstoffen, die gesetzlich verboten sind (wie etwa Formaldehyd, Cadmium und Nickel). Zudem werden die Textilien auf einen hautfreundlichen pH-Wert und auf Farbechtheit getestet. Über die Einhaltung ökologischer oder sozialer Standards während des Produktionsprozesses jedoch sagt dieses Siegel nichts aus.

Peta Approved Vegan

Mit dem Peta-Siegel gekennzeichnete Produkte sind vegan. Sie enthalten also keine Materialien tierischen Ursprungs, wie etwa Knöpfe aus Horn oder Leder-Applikationen. Allerdings erfolgt keine Prüfung durch Peta – das Siegel beruht auf Vertrauensbasis. Zudem sagt das Label nichts über soziale oder ökologische Produktionsbedingungen aus.