Tischler Jens Baumann

Es einfach wagen

Mehr Freiheit, weniger Sicherheit. Der Tischler Jens Baumann wollte sein eigenes Ding machen. Geht das, wenn man drei Kinder hat? „Man ist am besten, wenn man der ist, der man ist“, sagt er

Direkt nach der Tischler-Lehre habe ich eine eigene Werkstatt aufgemacht: Läden ausgebaut, für Architekten und Agenturen Entwürfe ausgeführt. Das lief gut. Aber es war wie Malen nach Zahlen. Ich war der Umsetzer, der Dienstleister.

In unserem Schlafzimmer hing damals ein Regal, wir hatten es mal geschenkt bekommen. Man stapelte die Bücher darauf, was die Konstruktion unsichtbar machte. Sah schön aus, war aber völlig unpraktisch. Das geht besser, dachte ich. Nach vier Monaten gab es den Prototyp. Ich bin damit in zwei Läden gegangen – und hab sofort Regale verkauft. Das war der Impuls, den ich gebraucht hatte: „Okay. Dann mache ich jetzt ein Unternehmen daraus.“

2011 habe ich „das kleine b“ gegründet. Heute trägt es einen Angestellten und zwei Studenten – und meine Familie und mich. Gute zwei Jahre war es aber eine Zitterpartie. Täler mussten durchschritten werden. Klar fragt man sich in solchen Momenten: Kann ich das machen? Darf man so ins Risiko gehen, um die eigenen Träume zu verwirklichen, wenn man drei Kinder hat? Ermutigt haben mich meine Frau, die immer felsenfest daran geglaubt hat, dass es mit „das kleine b“ etwas wird, und die Anerkennung und Unterstützung von Kollegen und Freunden – auch als der wirtschaftliche Erfolg zunächst ausblieb.

Mich beflügelt und stärkt bis heute das Gefühl, etwas auf die Beine stellen zu können.

Einmal hat der Möbelproduzent Nils Holger Moormann, dessen Arbeit ich sehr verehre, angerufen, um mir zu sagen, dass ihm meine Sachen gefallen. Er hatte ein Regal von mir in einem Laden in Wien gesehen. Ich konnte es gar nicht glauben, dass es wirklich er ist, der am anderen Ende der Leitung war. Im Rückblick bin ich trotzdem fast erstaunt, dass ich nicht mehr gezweifelt habe. Um bei einer solchen Entscheidung zu bleiben, braucht es wahrscheinlich verschiedene Kräfte. Mich beflügelt und stärkt bis heute das Gefühl, etwas auf die Beine stellen zu können: Es liegt an mir, wie alles wird. Ich lerne jeden Tag dazu: wie ich die Produkteigenschaften verbessern kann, welche Messen die richtigen sind, wie ich die Regale am besten verpacke.

Eine große Freude ist es auch, dass mein ältester Sohn schon so viel Interesse an meiner Arbeit zeigt und begreift, wie alles zusammenhängt, zum Beispiel, dass wir uns nur dann ein neues Auto kaufen können, wenn wir genug Regale verkaufen. Ich kann meinen Kindern vorleben, dass das eigene Handeln Wirkung hat. Das ist großartig.

Protokoll: Almut Siegert
Foto: Enver Hirsch

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