Hoensbroech

Mein Paradies

Severin von Hoensbroech möchte ein Renaissanceschloss vor dem Verfall bewahren und dort die ökologische Landwirtschaft ausbauen.

Träume soll man ja träumen, wenn man schläft. Mit Visionen zum Arzt gehen. Und wer die Welt verbessern will, gilt erst mal als jemand, der nicht wirtschaftlich denken kann. Das scheint mir eine gute Strategie für ein Leben, das vergeht und irgendwann vergangen ist. Ich habe immer versucht, andere Wege zu gehen. Ich habe jahrelang im Theater gearbeitet. Doch bei fast jeder Produktion, in die ich alle Energie investiert hatte, habe ich irgendwann gedacht: Wie traurig, dass es jetzt vorbei ist.

Hoensbroech

Irgendwann hatte ich den dringenden Wunsch, etwas zu machen, was bleibt, was sich entwickelt und vor allem: was Sinn macht – für mich, für unsere Kinder und am Ende im Kleinen auch für die Welt. Und was braucht man schon zum Glücklichsein: ein schönes Häuschen zum Wohnen, eine gesunde Familie und hin und wieder ein gutes Stück selbst gemachten Apfelkuchen an einem schönen Ort.

Das Renaissanceschloss

Und dann ist meiner Frau Anja und mir Schloss Türnich in der Nähe von Köln quasi auf die Füße gefallen. Die Gebäude weitgehend kaputt, aber mit einem prachtvollen Park, tollen Gärten, einem Waldbiotop, einer alten, eingestürzten Mühle und einer Landwirtschaft, die einem großen Garten gleicht. Hier wollen wir unseren Traum von einer lebenswerten, nachhaltigen, sich an Kreislaufprozessen orientierenden, lustvollen Welt verwirklichen.

Und der geht so: Der Schlosspark, der heute nur zur Hälfte existiert, ist fertig und genauso groß wie in den alten Plänen. Die Parklandschaft ist riesig, dort liegt auch eine Gärtnerei für Heilpflanzen, alte Sorten und Gemüse. Es gibt aber auch kleine Saisongärten für Leute, die in der Gegend wohnen. Inmitten der Landwirtschaft spielen und werkeln die Kleinsten in einem Naturkindergarten – direkt neben einem großen Permakulturgarten, den Menschen aus der Umgebung betreiben.

Das Schloss ist renoviert. Im Souterrain lebt die wunderschöne historische Schlossküche wieder auf. Dort finden Kochveranstaltungen statt, und man kann auf dem alten unterzügigen Holzherd kochen. Gegessen wird in der Küche selbst, draußen am Teich oder in der Beletage. Dort oben finden auch Salons statt, Vorträge, Diskussionsrunden, Ausstellungen und solche Sachen. Im Stockwerk darüber wohnen meine Eltern – oder wir oder irgendjemand anders.

Ein Haus voller Leben

Das Haus muss auf jeden Fall bewohnt sein und voller Leben. Auch die alte Mühle ist wieder aufgebaut und beherbergt nun ein Bio-Hotel. Die Anlage drum herum ist eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Landwirtschaft. Es gibt dort Wohnungen für die Landwirte und die Menschen die auf Schloss Türnich arbeiten, es gibt Arztpraxen und für Besucher das Bio-Hotel. In der Veranstaltungsscheune finden Theateraufführungen statt, und immer wieder gibt es Hoffeste.

Energetisch ist das Ensemble autark, trägt sich wirtschaftlich selbst und produziert ausreichend Überschüsse für neue Ideen. Und ganz ehrlich träume ich auch davon, dass wir nicht mehr die ganze Arbeit und Verantwortung haben. Nur im Hofcafé bleibt alles, wie es schon heute ist: Dort gibt es immer frischen Kaffee und selbst gebackenen Apfelkuchen.

Das Brett, das wir hier bohren müssen, ist dick und unser Akkuschrauber vergleichsweise klein, aber wenn’s einfach wäre, wäre es vermutlich kein Traum, oder?

Kategorien Beitrag

3 Kommentare zu “Mein Paradies

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.