Fair und ökologisch: Nachhaltige Materialien

Faire und ökologische Mode: Nachhaltige Materialien

Bio-Baumwolle, Ananasleder, Bambus – wer sich mit Ökomode auseinandersetzt, will auch wissen, aus welchen Materialien die Kleidung besteht. In unserem Glossar  zeigen wir nachhaltige Materialien, die in fairer und ökologischer Mode eingesetzt werden.

Alpaka: Warme Wolle – auch für Allergiker geeignet

Von den Peruanern wird Alpaka als das „Vlies der Götter“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um die feine und wärmende Unterwolle des Alpakas, eines Kamels, das in den südamerikanischen Anden zu Hause ist. Schur ist nur jedes zweite Jahr. Die feine Alpakafaser ist nicht nur weich, glänzend und ein wenig gekräuselt, sondern auch strapazierfähiger und fünfmal wärmer als Schafwolle. Da sie kein Lanolin enthält, eignet sie sich auch für Allergiker. Ungefärbte Alpakawolle ist weiß, braun oder von einem tiefen Schwarz. Es gibt zwei Arten von Alpakas. Das „Huacaya“ steht für weiche, dichte und gleichmäßig gekräuselte Fasern, die Schafwollfasern ähnlich sind, während die Wolle des „Suri“ seidig und sehr dünn ist.

Ananasleder: Die vegane Leder-Alternative

Seit einigen Jahren fertigt der spanische Hersteller Ananas Anam Lederprodukte aus Ananasblättern. Die daraus gewonnene nachhaltige Faser trägt den Namen Piñatex (Piña bedeutet im Spanischen Ananas). Es handelt sich dabei um ein Naturleder und eine vegane Alternative zu tierischem Leder. Die Zellstofffaser verfügt über wasserabweisende Eigenschaften, ist robust und zugleich leicht. Ananasleder verfügt über ähnlich stabile und robuste Eigenschaften wie Leder, ist jedoch günstiger, nachhaltiger und tierleidfrei.

Die Blätter stammen von philippinischen Farmern, für die durch die Nutzung der Blätter eine neue Einkommensquelle entsteht: Bei den Ananasblättern handelt es sich um ein Nebenprodukt, das im Rahmen der Ananasernte normalerweise ungenutzt bleibt und weggeworfen wird. Für die Gewinnung werden keine zusätzlichen Ressourcen wie Wasser, Düngemittel oder Pestizide benötigt. Die Weiterverarbeitung zu einem lederähnlichen Material, das sowohl für klassische Lederwaren wie Schuhe und Taschen, aber auch für Sofabezüge oder die Innenverkleidung von Autos Verwendung findet, erfolgt anschließend in einer Textilfabrik in Barcelona.

Nachhaltige Materialien wie Baumwolle und Leinen

Bambus: Kühlt im Sommer, wärmt im Winter

Ein vietnamesisches Sprichwort sagt: „Der Bambus ist mein Bruder.“ Er wächst schnell, kommt ohne Pestizide und Düngemittel aus, ist sehr stabil und vielseitig einsetzbar – auch bei der Herstellung von Textilien. Wobei Bambusfasern eigentlich zu kurz sind, um versponnen zu werden. Daher verkocht man sie zunächst. Aus der gelösten Zellulose werden dann Viskosefasern gewonnen. Das sehr leichte und weiche Material ist schnelltrocknend, antibakteriell, atmungsaktiv, geruchsneutral und absorbiert sogar den körpereigenen Geruch. Die kühlende Wirkung im Sommer ist genauso angenehm wie die wärmende im Winter.

Biobaumwolle: Gesünder und fairer als normale Baumwolle

Meist spürt man es gleich: Biobaumwolle hat einen viel weicheren Griff als die konventionell hergestellte Naturfaser, vor allem wenn auch bei der Weiterverarbeitung strenge Richtlinien eingehalten werden. Die Baumwolle entsteht nach Richtlinien des ökologischen Landbaus. Dabei ist der Einsatz von giftigen und nicht abbaubaren chemischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln sowie von gentechnisch veränderten Organismen verboten. In Westafrika werden etwa Sonnenblumen rund um die Baumwollfelder angebaut, denn die gleichzeitige Aussaat anderer Pflanzen hilft auch gegen Schädlinge. Anbauer und Konsumenten freuen sich beide über Biobaumwolle, denn sie kommen dabei nicht mehr in Kontakt mit gesundheitsschädlichen Stoffen.

Bio-Leinen: Eine umweltschonendere Gewinnung

Leinen hat an sich schon einen guten Ruf in der nachhaltigen Mode. Denn im Unterschied zu Baumwolle ist bei seiner Herstellung der Chemikalieneinsatz nur gering. Für Bio-Leinen stammen die verarbeiteten Flachsfasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) und kommen ohne schädigende Stoffe aus. Bio-Leinen hat einen charakteristischen natürlichen Glanz und wirkt angenehm feuchtigkeitsregulierend. Das umweltschonendste Gewinnungsverfahren für den Rohstoff ist die Tauröste – ein Prozess, der so natürlich ist, wie er klingt. Dabei bleibt das Flachsstroh nach der Ernte zunächst für mehrere Wochen auf den Feldern liegen. Der Morgentau begünstigt das Wachstum von Bakterien und Pilzen, die Pektine in die Faser abbauen und sie so leichter verarbeitungsfähig machen. Nachhaltig: Währenddessen gelangen die Nährstoffe aus dem Flachsstroh teilweise wieder in den Boden zurück. Eine Win-win-Situation für alle.

Nachhaltige Materialien: Verschiedene Stoffe liegen übereinander

Bio-Wolle: Glückliche Schafe und gutes Tragegefühl

Ob mit Bio-Siegel oder ohne – wenn nicht weiter definiert, steht Wolle für Schafwolle. Sie hat Vorzüge, die seit Jahrtausenden überzeugen: Lufteinschlüsse zwischen den Fasern sorgen dafür, dass das Material sehr warm hält. Anders als herkömmliche Wolle stammt Bio-Wolle jedoch aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT), also von Tieren, die artgerecht und im Einklang mit der Natur gehalten werden. Noch besser ist ein zusätzliches GOTS-Zertifikat. Das Tragen weicher Wollkleidung wird als sehr angenehm empfunden. Wollhaare sind Eiweißfasern und bestehen aus Keratin, wie die äußersten Schichten menschlicher Haut. Zudem verfügt Wolle über selbstreinigende Eigenschaften: In der Regel reicht es vollkommen aus, ein Woll-Kleidungsstück nach dem Tragen an die frische Luft zu hängen.

Braunalge: Die natürliche Faser aus dem Meer

Im Meer wartet viel Gutes auf uns. Darunter unzählige Algenarten. Algen nehmen die Mineralien des Meerwassers in sich auf und enthalten verschiedenste Spurenelemente, Fette und Vitamine. Textilien, die beispielsweise auf der Basis von isländischen Braunalgen hergestellt sind, sollen diese Nährstoffe sogar abgeben, zudem eine antibakterielle Wirkung haben und für viele Allergiker und Menschen mit Neurodermitis verträglich sein. Geerntet werden die Blätter der Braunalge umweltschonend in den nahezu unberührten Fjorden Islands, und das nur alle vier Jahre. So bleibt der Alge genug Zeit, sich zu regenerieren. Die Blätter trocknet, zerkleinert und mahlt man in einem natürlichen Verfahren. Schließlich wird sie mit Zellulose zu einer weichen robusten Faser versponnen. Eine bekannte Faser, die aus der Braunalge gewonnen wird, nennt sich SeaCell.

Econyl: Recycelte Faser aus alten Fischernetzen

Herrenlose und ausgediente Fischernetze, früherer Teppichflor und Garnausschuss sind die Grundlage für Econyl, eine recycelte Faser auf Nylonbasis. Taucher verschiedener Organisationen sammeln dafür weltweit ausgediente Fischernetze ein, etwa in Belgien, den Niederlanden, Italien, Griechenland, Kroatien, auf den Philippinen und in Kamerun. So werden Meer und Strand entlastet, gleichzeitig erhalten die Fischer ein zusätzliches Einkommen. Aus dem Garn, das bei der Weiterverarbeitung entsteht, werden Teppiche, Badekleidung, Yogamode und Strumpfhosen gefertigt. So bekommt der Begriff Netzstrumpfhose eine umweltfreundliche Bedeutung.

Bunte Wollknäuel in einem Regal

GOTS-Zertifikat: Ein weltweiter Standard für Naturfasern

Woher weiß ich, ob meine neue Bluse wirklich nachhaltig produziert und aus Bio-Materialien hergestellt ist? Um sich im Dschungel der Biotextilien zurechtzufinden, hilft das GOTS-Zertifikat. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist ein weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Er definiert umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und gleichzeitig die einzuhaltenden Sozialkriterien, wie faire Arbeitsbedingungen und das Verbot von Kinderarbeit. Der Standard deckt Herstellung, Konfektion, Verpackung, Kennzeichnung, Handel und Vertrieb aller Textilien ab. Voraussetzung für die Zertifizierung ist, dass die Produkte zu mindestens 70 Prozent aus kontrolliert biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Eine Übersicht weiterer Zertifizierungen gibt es in unserem Guide „Die wichtigsten Siegel für nachhaltige Textilien“.

Hanffasern: UV-Schutz und Umweltverträglichkeit

In der nachhaltigen Mode ist der mit dem Flachs verwandte Hanf aus vielen Gründen sehr beliebt: Beim Tragen schützen Hanfstoffe vor UV-Strahlen und fühlen sich auf der Haut sehr angenehm an, im Anbau zeigt sich die schnell wachsende Pflanze unempfindlich gegen Unkraut, Insektenbefall und Pilzkrankheiten und gedeiht ohne den Einsatz von Chemikalien. Daher gilt sie als eine der umweltverträglichsten Fasern überhaupt. Wegen ihrer Strapazierfähigkeit kann man Hanffasern zu dicken Seilen, aber auch zu sehr feinen und weichen Stoffen verarbeiten.

Lyocell: Aus Holz gewonnene Cellulosefaser

Lyocell zählt zu den Viskosefasern. Es handelt es sich um eine Regeneratfaser, die vor allem unter dem Markennamen Tencel bekannt ist. Regeneratfasern werden aus natürlichen Materialen gewonnen und in einem chemischen Prozess hergestellt. Die Cellulosefaser Lyocell wird mithilfe eines umweltverträglichen, organischen Lösemittelverfahrens und in einem geschlossenen Kreislauf aus dem Holz des Eukalyptusbaumes gewonnen. Bei Eukalyptus handelt es sich einen schnell nachwachsenden Rohstoff, der im Anbau einen wesentlich niedrigeren Wasserverbraucht hat als etwa Baumwolle. Wichtig ist, dass das Holz aus nachhaltiger und fairer Forstwirtschaft stammt. Lyocell-Fasern sind atmungsaktiv, verfügen über zahlreiche positive Eigenschaften: Sie sind weich, kühlend und atmungsaktiv, weshalb sie unter anderem in der Funktionsbekleidung Verwendung finden.

Milchfaser: Die ökologische Alternative zur Baumwolle

Milchproteinfasern gelten als ressourcenschonende Alternative zur Baumwolle. Es handelt es sich dabei um synthetisch hergestellte Fasern aus dem Milcheiweiß Kasein. Die Milchfaser Qmilk ist der gemeinsamen Forschungsarbeit der Designerin Anke Domaske und dem Faserinstitut Bremen zu verdanken. Für die Produktion der 2011 vorgstellten Faser erhitzen die Hersteller pulverisiertes Kasein zusammen mit anderen natürlichen Zutaten und ziehen es anschließend zu Fäden. Das benötigte Kasein stammt aus Milch, die aufgrund der gesetzlichen Milchverordnung nicht als Lebensmittel verwertet werden darf.

Die Ökobilanz der Faser kann sich sehen lassen: Sie ist kompostierbar, kommt komplett ohne chemische Zusatzstoffe aus und ist somit zu 100 % natürlich. Zudem benötigt man bei der Herstellung von einem Kilogramm Milchfaser nur zwei Liter Wasser. Im Vergleich: Bei der Herstellung von einem Kilogramm Baumwolltextilien werden 10.000 bis 25.000 Liter Wasser verbraucht. Die Faser verfügt über einen seidigen Glanz. Sie ist farb- und formbeständig, extrem reißfest, schnell trocknend und temperaturregulierend. Zudem verfügt die Faser über hautfreundliche und antibakterielle Eigenschaften.

Ein Haufen verschieden farbiger Jeans

Wildseide: Seidengewinnung ohne Raupentötung

Wer mit gutem Gewissen Seide tragen möchte, sollte auf Wildseide zurückgreifen – wie die Tussahseide, die vom wild lebenden Eichenseidenspinner stammt. Denn bei konventioneller Seide werden die Seidenraupen getötet. Bei der Gewinnung von Wildseide wartet man dagegen ab, bis die Raupe zum Schmetterling geworden ist. Die verlassenen Kokons werden dann eingesammelt und zu Wildseide weiterverarbeitet. Im Vergleich zur Zuchtseide ist Wildseide etwas gröber und weist kleine Unregelmäßigkeiten auf. Auch das trägt zu ihrem Charme bei.
Ebenfalls eine Naturfaser ist Sojaseide, die aufgrund ihrer Weichheit auch veganes Kaschmir genannt wird. Die Faser wird aus Abfallprodukten der Sojabohnen-Industrie gewonnen. Allerdings ist eine chemische Behandlung nötig – unter anderem mit Formaldehyd –, bevor sie in der Textilindustrie Verwendung findet, weshalb ihre Ökobilanz nicht ganz so gut abschneidet.

Modal: Regeneratfaser aus Buchenholz

Modal ist ebenfalls eine Regeneratfaser, sprich eine synthetisch gewonnene Naturfaser. Statt aus Eukalyptus entsteht sie aus Buchenholz aus nachhaltiger, heimischer Forstwirtschaft. So wie Lyocell auch ist Modal Produkt eines chemischen Prozesses. Zum Einsatz kommen unter anderem Schwefelkohlenstoff und Natronlauge, welche anschließend in einem geschlossenen Kreislauf größtenteils wiederverwendet werden. Die langlebige Faser verfügt über eine angenehm weiche Habtik und atmungsaktive Eigenschaften. Zudem zeichnet sich durch ihren seidigen Glanz aus.

Mohairwolle: Die feine Wolle der Angoraziege

Mohairwolle stammt von der Angoraziege, dabei ist das Haar leichter und feiner, je jünger die Ziege bei der Schur ist. Die Wolle ist weich, geschmeidig, strapazierfähig, knittert und filzt kaum und hält sehr warm. In Hinblick auf Nachhaltigkeit sollte man darauf achten, dass die Wolle nicht von Tieren stammt, die mit der schmerzhaften Mulesing-Methode behandelt werden. Generell sind ausgewogenes Futter, Auslauf und die Vermeidung von Stress wichtig bei der Zucht von Angoraziegen. So ist nicht nur das Wohlergehen der Ziegen gesichert, sondern man gewinnt auch die weichste Wolle. Gut zu wissen: Die ebenfalls für ihre besondere Weichheit bekannte Angorawolle stammt übrigens von Angorakaninchen.

Synthetische Spinnenseide: Die Natur als Vorbild

Für die Herstellung von einem Kilogramm Rohseide benötigt man etwa 4000 Kokons des Maulbeerspinners. Damit die Insekten vor dem Schlüpfen die Hülle ihres wertvollen Kokons nicht zerbeißen, werden sie mit heißem Wasser oder Wasserdampf getötet. Doch zum Glück gibt es mittlerweile vegane und ökofaire Alternativen. So fertigen beispielsweise das süddeutsche Unternehmen AMSilk Textilfasern aus künstlicher Spinnenseide. In Zusammenarbeit mit Materialforschern aus Bayreuth und der Technischen Universität München ist AMSilk gelungen, dem Bakterien so zu manipulieren, dass sich Spinnenseidenproteine biotechnologisch herstellen lassen. Laut Hersteller steht diese künstliche Faser dem Naturvorbild in nichts nach und ist biokompatibel, atmungsaktiv, robust und vielfältig einsetzbar. Die stabile und zugleich extrem elastische Faser eignet sich unter anderem bestens für zur Herstellung von Funktionsbekleidung.

Vegetabil gegerbtes Leder: pflanzlich & atmungsaktiv

Da das Naturmaterial Leder zu den verderblichen Materialien zählt, begann man früh, die Tierhäute mit chemischen Gerbstoffen zu gerben, um sie weicher und haltbarer zu machen. Bei der vegetabilen Gerbung kommt ein Gerbstoff zum Einsatz, den man ausschließlich aus Pflanzen gewinnt. Etwa aus Eichen- und Fichtenrinde, Quebrachoholz, Taraschoten, Olivenblättern, Rhabarberwurzeln oder Mimosarinde. Das Leder bleibt nach der Behandlung atmungsaktiv und wird mit der Zeit immer schöner. Im Gegensatz zur pflanzlichen Gerbung fallen bei industriellen Gerbverfahren mit Chrom gesundheitsgefährdende und umweltschädliche Stoffe an.

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Text Lesley Sevriens