Ein Zopf und Schokobohnen in Baumwollbeuteln

Müll vermeiden: Zehn kleine Ideen mit großer Wirkung

Zero Waste muss nicht bedeuten, überhaupt keinen Abfall mehr zu produzieren. Denn Müll vermeiden fängt schon bei den kleinsten Alltagsentscheidungen an. Inga Kälber, die Gründerin der Plattform Zero Waste Deutschland, gibt Tipps, was man im Alltag ganz leicht anders machen kann – vom Einkauf bis zum Abendessen.

Wer an Zero Waste denkt, glaubt oft, es geht darum, dass man überhaupt keinen Müll mehr produziert. Dass es aber nicht um Perfektion, sondern einfach ums Anfangen geht, dazu motiviert Inga Kälber von Zero Waste Deutschland ihre Leser. Die nachhaltige Plattform, die rund um das Thema Müll vermeiden informiert, hat 2019 sogar den Umweltmedienpreis 2019 gewonnen. Uns hat Inga zehn Tipps gegeben, wie jeder ganz einfach weniger wegwerfen kann.

Eine junge Frau in einem verpackungsfreien Supermarkt

Eines vorneweg – und vielleicht ist das schon der wichtigste Tipp, bevor es eigentlich losgeht: Die Basis von weniger Müll sind drei einfache Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man etwas konsumiert – auch wenn es sich um einen vermeintlich „nachhaltigen Kauf“ handelt: Brauche ich das wirklich? Wenn ich es nur einmal benutze, kann ich es mir ausleihen? Wenn ich es wirklich selbst besitzen möchte, kann ich es gebraucht kaufen?

1. Wiederverwendbare Verpackungen verwenden

Ganz egal, ob man ein Geschenk verpacken oder Lebensmittel aufbewahren möchte: Der Umstieg auf „gute“ Verpackungen ist einer der leichtesten Übungen. Statt Folien und Tüten aus Aluminium oder Plastik zu verwenden, greifst du in der Küche besser auf wiederverwendbare und waschbare Verpackungen zurück – wie zum Beispiel Bienenwachstücher, Glasbehältnisse oder Metallboxen. Wer an Weihnachten oder zum Geburtstag Geschenke einpackt, kann Geschenkpapier aus alten Zeitschriften oder Zeitungen basteln. Noch besser sind Einschläge aus Stoffe, die der Beschenkte wiederverwenden kann.

2. Guten Kaffee kaufen

Die meisten Menschen trinken ihn jeden Morgen und machen sich doch so wenige Gedanken über Herkunft und Verpackung. Dabei ist es ganz einfach, guten, nachhaltigen und fast müllfreien Kaffee zu trinken. Einweg-Kapseln bitte unbedingt vermeiden: Ihr Inhalt ist im Vergleich nicht nur um ein Vielfaches teurer (er kostet teilweise bis zu 70 Euro pro Kilo!), sondern sie verursachen auch haufenweise Müll.

Die nachhaltige Lösung für diese Maschinen sind befüllbare Kapsel, die man immer wieder verwenden kann. Ansonsten gilt wie bei allen Lebensmitteln: Lieber eine große Packung als viele kleine kaufen. Wer jeden Morgen Kaffee trinkt, spart auch Geld, wenn er ein Kilo Bohnen kauft, statt bei jedem Einkauf nur 250 Gramm. Wenn möglich zudem auf die Verpackung achten, denn die ist oft aus Aluminium oder Kunststoff. Mittlerweile gibt es immer mehr Hersteller, die ihren Kaffee in Tüten aus Kraftpapier verpacken – und natürlich auch regional rösten!

Zero Waste Accessoires wie eine Glasflasche und eine Metallbox

3. Leitungswasser trinken

Bei dem guten Leitungswasser, das wir in Deutschland haben, scheint es fast unverständlich, dass Menschen immer noch trägerweise Wasserflaschen nach Hause schleppen. Am schlimmsten sind Einweg-Plastikflaschen, die man im Gegensatz zu Mehrwegflaschen aus Glas nur einmal nutzen kann. Sie landen meistens im Müll und werden zudem oft noch extra in Plastikfolie eingeschweißt. Selbst wenn die Flaschen recycelt werden, darf man nicht vergessen, dass auch dann unnötiger Aufwand und Transport dahinterstecken. Deshalb Leitungswasser trinken und bei Bedarf einen Wassersprudler zulegen.

4. Stoffbeutel mitnehmen

Es ist das A und O der Müllvermeidung und seit der Einführung von kostenpflichtigen Plastiktüten auch endlich mitten in der Gesellschaft angekommen: Stoffbeutel zum Einkaufen mitnehmen, statt Plastiktüten vor Ort kaufen. Denn selbst wenn man Plastiktüten mehrmals verwendet, sind sie nicht so langlebig wie Baumwolltaschen. Am besten hängt man sich den Beutel an die Haustüre oder kauft sich eine kleine Variante für die Handtasche, damit man ihn beim Einkauf nicht vergisst.

Nachhaltige Glasbehälter in einer Zero Waste Küche

5. Mehrwegbecher dabei haben

Zugegeben, es dauert ein paar Tage, bis man sich daran gewöhnt hat, auf dem Weg zur Arbeit einen Mehrwegbecher einzustecken – aber wie bei allen Gewohnheiten muss es nur einmal abgespeichert sein, um es nicht mehr zu vergessen. Viele Menschen holen sich auf dem Weg ins Büro einen Kaffee to-go. Das Problem: Die Einmalbecher sind innen mit Kunststoff beschichtet und deshalb nicht einfach über den Papiermüll zu entsorgen. Nachhaltiger sind Mehrweg-Pfandsysteme wie Recup. Hier kann man sich in ausgewählten Cafés deutschlandweit einen Mehrwegbecher aus Kunststoff mitgeben lassen. Den geringen Pfandbetrag bekommt man dann beim nächsten Café-Besuch zurück. Am besten ist aber ein eigener Becher aus Edelstahl oder Glas.

6. Loses Obst und Gemüse kaufen

Wer im Obst- und Gemüseladen oder Bio-Geschäft um die Ecke einkauft, wird sowieso kaum Verpackungen im Regal finden. Im Supermarkt ist es dagegen oft schwieriger, Kartoffeln, Salat & Co. ohne Netz oder Folie aus Kunststoff zu finden. Besonders irreführend: In der Regel werden Bio-Produkte in Plastik verpackt, um sie nicht mit den Produkten aus herkömmlicher Landwirtschaft zu vermischen.

Wer Müll vermeiden möchte, kauft Obst und Gemüse ohne Verpackung

7. Qualitätsprodukte & reparieren lassen

Ob in der Küche, im Kleiderschrank oder sonst im Alltag – es gilt immer: Wer reparieren lässt oder selbst repariert, kann jede Menge Müll vermeiden. Zudem sorgt man so dafür, dass kleine Betriebe wie Schuster, Schneider, Elektronikgeschäft & Co. unterstützt werden. Hochwertige Produkte sind zudem langlebiger und halten mehr aus. Deshalb lieber einmal mehr Geld ausgeben, als etwas in kurzer Zeit mehrmals kaufen zu müssen. Und wer mehr Geld in ein Kleidungsstück oder Küchenutensil investiert, gibt den Dingen auch mehr Wert. Dann ist das Interesse auch größer, das gute Stück reparieren zu lassen, anstatt es einfach durch ein neues zu ersetzen.

8. Feste Seife und festes Shampoo benutzen

Euren Händen ist es recht egal, ob ihr feste oder flüssige Seife benutzt – ebenso euren Haaren. Und der Vorteil von festen Produkten ist, dass man gleich viel weniger Müll produziert. Denn Shampoo und Seife sind in der Regel immer in Plastikflaschen verpackt. Feste Seife in der Kartonpackung gibt es dagegen bereits im Drogeriemarkt. Wer Seife ganz ohne Verpackung kaufen will, schaut auf der Zero Waste Map nach, wo sich der nächste verpackungsfreie Supermarkt befindet.

Ein Zopf und Schokobohnen in nachhaltigen Beuteln aus Baumwolle

9. Frisch kochen

Frisch kochen ist nicht nur gut für uns, sondern auch für die Umwelt. Denn Fertiggerichte produzieren pro Mahlzeit viel mehr Plastik- und Papiermüll. Wer für sich alleine Pasta macht, schmeißt zwar auch den Karton weg, allerdings nicht für jede Portion. Schlimmer Müllverursacher ist außerdem: Essen bestellen oder mitnehmen. Generell gilt beim Kochen auch: mehr Pflanzliches als Tierisches essen, denn tierische Produkte verbrauchen viele Rohstoffe und verursachen somit indirekt Müll.

10. Geschirrhandtücher verwenden

Klopapier zu ersetzen, könnte komplizierter werden, aber Küchenrolle braucht wirklich niemand. Die verursacht nur jede Menge Abfall. Denn Flecken aufwischen kann man auch ganz hervorragend mit einem Geschirrtuch aus Stoff, das man waschen und somit immer wieder verwenden kann. Wer sich also schon immer gefragt hat, wie man die unschöne Küchenrolle unterbringt, der kann jetzt mit gutem Gewissen auf ein viel schöneres Geschirrtuch umsteigen.

 

Text Anja Schauberger
Fotos Zero Waste Deutschland