Restlos Glücklich Lebensmittel

Lebensmittel wertschätzen: Mit diesen Tipps wirfst Du nichts mehr weg

Mehr als die Hälfte aller Lebensmittel, die jedes Jahr in Deutschland im Müll landen, wäre noch einwandfrei genießbar. Mit jedem weggeworfenen Nahrungsmittel werden wertvolle Ressourcen wie Ackerfläche oder Wasser verschwendet. Diese Lebensmittelverschwendung belastet Klima und Umwelt. Dabei ist es ganz einfach, selbst etwas dagegen zu tun. Wenke Heuts vom Verein RESTLOS GLÜCKLICH verrät uns zehn Tipps, wie man es schafft, weniger Lebensmittel wegzuwerfen.

Restlos Glücklich Lebensmittel

Die gute Nachricht zuerst: Selbst kleine Veränderungen unserer Essgewohnheiten haben eine große Wirkung. Und es geht nicht darum, immer alles richtig zu machen – sondern darum, überhaupt etwas zu tun.

1. Vom Blatt bis zur Wurzel

Vieles, was aus Gewohnheit oder Unwissen im Biomüll landet, steckt voll gesunder Nährstoffe. Obst- und Gemüseschalen, Blätter und Strünke kann man oft mitessen: Blumenkohl-Blätter bilden die Basis für eine leckere Suppe und Möhrenschalen backen mit etwas Öl im Ofen zu einem schnellen Knuspersnack. Wichtig bei der Arbeit mit Schalen ist, dass man die Lebensmittel gründlich wäscht und sie im Idealfall Bioqualität haben.

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2. Clever einkaufen

Wer vor dem Einkauf eine Einkaufsliste schreibt, minimiert Impulskäufe. Auch ein voller Bauch beim Einkauf sorgt dafür, dass weniger (unnötige) Lebensmittel im Einkaufswagen landen.

 3. Lebensmittel richtig lagern

Neben der effektiven Verarbeitung hilft auch die richtige Lagerung dabei, Lebensmittelabfälle zu minimieren. Äpfel zum Beispiel sollte man getrennt von anderem Obst und Gemüse aufbewahren, denn sie setzen das Gas Ethylen frei, das andere Früchte schneller reifen lässt. Auch den Kühlschrank richtig einzuräumen, lohnt sich – lang haltbare Nahrungsmittel werden am besten weiter hinten verstaut und Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse unten. Denn auch im Kühlschrank gilt: Die warme Luft steigt nach oben.

4. Den eigenen Sinnen mehr vertrauen

Auf verpackten Lebensmitteln wie Käse, Joghurt oder Nudeln ist das Mindesthaltbarkeitsdatum („mindestens haltbar bis…“) aufgedruckt. Viele Lebensmittel sind aber sehr viel länger haltbar, als dieses Datum garantiert. Joghurt zum Beispiel kann man ungeöffnet bis zu mehreren Wochen nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießen, Käse ebenfalls viele Tage länger. Vorausgesetzt, die Lebensmittel wurden direkt nach dem Kauf im Kühlschrank aufbewahrt. Trockene Lebensmittel wie Nudeln oder Reis können sogar mehrere Jahre länger halten als angegeben. Also: nicht gleich wegwerfen, wenn das Datum abgelaufen ist. Sondern aufmachen, angucken, riechen und probieren.

Keine Kompromisse sollte man allerdings beim Verbrauchsdatum machen („zu verbrauchen bis…“), welches sich auf leicht verderblichen Lebensmitteln wie frischem Fleisch oder Fisch befindet. Hier können sich Keime bilden, die nicht zu sehen oder zu schmecken sind.

5. Keine Macht dem Schönheitswahn

Egal, ob die Möhre krumm ist, die Kartoffel klein oder der Apfel eine Beule hat – auch bei Obst und Gemüse zählen die inneren Werte. Knubbelige Exemplare schmecken genauso lecker wie die gerade gewachsenen und haben genauso viele Vitamine. Also: beim nächsten Einkauf auch mal zu Lebensmitteln greifen, die ein wenig aus der Form fallen oder schon besonders reif sind. Denn wenn niemand sie kauft, verderben sie und müssen entsorgt werden.

Und noch ein Extra-Tipp: Manche Landwirt*innen bieten Nachernteaktionen an, bei denen Besucher*innen übrig gebliebenes Gemüse ernten können. Auch unser Verein RESTLOS GLÜCKLICH hat schon Nachernteaktionen organisiert, bei denen Kartoffeln „gerettet“ wurden, die für den regulären Verkauf zu klein sind.

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6. Braune Stellen im Obst

Wenn ein Apfel eine braune Stelle hat, ist er noch lange nicht schlecht – die Stelle schneidet man einfach weg. Superreife Bananen mit vielen braunen Punkten eignen sich perfekt für selbstgemachtes Bananeneis. Dafür einfach die geschälten Bananen klein schneiden und einfrieren. Die gefrorenen Stücke pürieren, bis ein cremiges Mus entsteht – nach Lust und Laune mit Milch oder einer pflanzlichen Alternative, Beeren, Kakao oder Schokostückchen verfeinern.

7. Beste Reste

Zu viel gekocht? Kein Problem: Mit ein bisschen Übung lassen sich aus den Resten vom Vortag neue, leckere Gerichte kochen. Aus Nudeln wird ein Auflauf, aus Gemüse eine Suppe. Hartes Brot schmeckt fantastisch als Semmelknödel oder Croutons. Und wer zu viel Obst im Haus hat, kann es einfrieren (portionsweise als Püree) oder zu Marmelade verarbeiten.

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8. Früh übt sich

Unsere Essgewohnheiten und damit unser Umgang mit Lebensmitteln prägen sich schon sehr früh. Damit bereits Kitakinder einen nachhaltigen Umgang mit Nahrungsmitteln erfahren können, haben wir ein Kinderbuch geschrieben und herausgebracht: „Benja & Wuse. Essensretter auf großer Mission“ – eine Geschichte über den Wert von Lebensmitteln. Zum Vor- und Selbstlesen für Kinder ab fünf Jahren.

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9. Verschenken statt wegwerfen

Der Urlaub naht und der Kühlschrank ist voll? Warum nicht einfach mal bei den Nachbarn klingeln oder die Lebensmittel bei Verteilstationen anbieten, zum Beispiel über Foodsharing?

10. Doggybag

Oft sind die Augen größer als der Magen – das gilt besonders beim Restaurantbesuch (wenn Restaurants wieder öffnen dürfen). Was spricht dagegen, die Reste einpacken zu lassen und am nächsten Tag zu verputzen? Viele Gastronom*innen freuen sich, wenn dadurch weniger Lebensmittel im Müll landen und die Gäste im besten Fall sogar ihre eigene Reste-Box dabei haben.

 

RESTLOS GLÜCKLICH e. V.
Der gemeinnützige Verein RESTLOS GLÜCKLICH setzt sich dafür ein, dass Menschen ihre Lebensmittel mehr wertschätzen und möglichst ganzheitlich verwerten. Dafür bietet der Verein kostenlose Bildungsprojekte für Kinder und Erwachsene sowie öffentlichkeitswirksame Mitmachaktionen an. Gekocht wird dabei mit krummem Gemüse, schlappem Salat, Brot vom Vortag und anderen Lebensmitteln, die aus dem regulären Verkauf aussortiert wurden. Hier geht es zum Veranstaltungskalender

Text Wenke Heuts
Fotos Joris Felix Patzschke,  André Benedix

 

Auch der Verein „Raupe Immersatt“ setzt sich dafür ein, dass weniger Lebensmittel verschwendet werden. Wir haben mit den Macher*innen des dazugehörigen Foodsharing-Cafés gesprochen.