Anleitung Selbstversorgung

So wirst Du Selbstversorger*in – eine Anleitung in fünf Schritten

Wie man dem Traum vom Leben als Selbstversorger ein bisschen näher kommt, weiß Sabrina Wagner. Sie lebt auf einem ein Hektar großen Stück Land, auf dem sie für sich und ihre Familie Gemüse und Obst anbaut. Sie ist Permakultur-Beraterin, hat den Verein Cum Natura Umweltakademie gegründet und gibt Kurse zum Gemüseanbau. Uns hat sie verraten, was man zu Beginn der Saison beachten sollte, wenn man Selbstversorger*in werden möchte. Eine Anleitung in fünf Schritten.

Anleitung Selbstversorger

Schritt 1
Das Saatgut
Wer eigenes Saatgut aus dem Vorjahr hat, sollte dies noch einmal sichten.  Wenn man nicht genug hat, neues Saatgut bestellen. Am besten, man setzt dabei auf ökologisches Saatgut. Die meisten Biomärkte haben Saatgut vorrätig, man bekommt es aber auch direkt bei den Anbietern. Saatgut aus dem Baumarkt oder Discounter ist meist nicht zu empfehlen. Es ist sinnvoller, als Selbstversorger*in etwas tiefer in die Tasche zu greifen und in den Folgejahren das eigene Saatgut zu gewinnen. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, auf Pflanzentauschmärkten, privat oder bei Vereinen Saatgut und Pflanzen zu (er)tauschen, dann ist es etwas günstiger.

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Man sollte nur Samen für Gemüse kaufen, die man wirklich gerne isst, oder von ein paar wenigen Pflanzen, die man ausprobieren möchte. Wenn man weiß, dass einem Essiggurken eigentlich nicht schmecken, dann sollte man keine anbauen.

Schritt 2
Der richtige Aussaatzeitpunkt
Für jede Gemüsesorte bestimmt man den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat. Nicht zu früh anfangen: Es macht wenig Sinn, Anfang Februar bereits Tomaten vorzuziehen.
Auf den meisten Saatguttüten sind die jeweiligen Aussaatzeitpunkte vermerkt. Ansonsten finden sich dazu einige Tabellen im Internet. Je nach Standort und örtlichen Gegebenheiten unterscheiden sich die Zeitpunkte.

Ab Anfang Februar dürfen die ersten Samen zur Voranzucht im Haus in die Erde. Das klappt gut bei Salaten – diese werden regelmäßig alle zwei, drei Wochen gesät, damit der Salatfluss später nicht abreißt. Außerdem Chili und Physalis.
Mitte/Ende Februar folgen Paprika. Eine gute Sorte sind die roten Pantos, sie trägt pro Pflanze bis zu 40 Stück. Auch die ersten Radieschen kommen jetzt in die Erde – im Gewächshaus oder im Hochbeet mit Deckel, damit die Wärme schön drinnen bleibt. Dicke Bohnen kommen nun direkt ins Bett, außerdem kann man Spinat säen, die ersten Kräuter und besondere Schätze wie Malabar-Spinat, Monarde und Engelwurz.
Anfang März ist die beste Zeit für Zwiebeln und Winterheckenzwiebeln, den nächsten Schwung Kräuter wie Eibisch und Andorn, außerdem Spitzkohl und Kohlrabi.

Mitte März beginnt man am besten damit, Tomaten, Petersilie, Schnittsellerie und ungewöhnliche Pflanzen wie Gemüse-Amaranth, wilden Lauch oder Färber-Hundskamille vorzuziehen. Zuckererbsen, Karotten und Steckzwiebeln kommen direkt ins Beet.
Mitte April folgen Kürbis, Zucchini und Gurken. Melonen wandern gleich ins Töpfchen, da sie nicht pikiert werden.
Ende April, je nach Wetterlage, können die ersten Samen direkt ins Beet gepflanzt werden – wie etwa rote Bete, Steckzwiebeln, Karotten.

Wenn man viel Gemüse vorziehen möchte, sollte man sich gutes Material besorgen wie Anzuchtkisten, Quick Pots, eckige Töpfchen und Pikierstäbchen. Dazu mehr bei Schritt 4.

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Schritt 3
Die Anzuchterde
Ganz wichtig für Selbstversorger ist eine gute Anzuchterde. Entweder man kauft sie – unbedingt ohne Torf, denn Torf ist einer der größten CO2 Speicher  – oder macht sie selbst. Dafür sammelt man etwa drei Eimer schöne, krümelige Erde von Maulwurfshügeln und vermischt sie in der Schubkarre mit Kompost oder Wurmkompost, ein paar Händen voll Gesteinsmehl und einem Eimer Sand.

Anzuchterde sollte möglichst nährstoffarm sein, damit sich die Wurzeln gut ausbilden können. Wenn die Erde nährstoffarm ist, sind sie gezwungen, stärker zu wachsen, um möglichst viele Nährstoffe aufnehmen zu können. Wichtig ist, dass die Erde locker und feinkrümelig ist. Sie sollte durchlässig sein, am besten keimfrei und frei von Unkrautsamen. Erst wenn die Pflänzchen dann pikiert, also vereinzelt werden, kommen sie in nährstoffreichere Erde.

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Schritt 4
Die Ausstattung
Die meisten Dinge, die man als Selbstversorger für die Anzucht benötigt, sind aus Plastik. Auf Plastik sollte man eigentlich verzichten – aber in manchen Bereichen hat es seine Berechtigung. Wichtig ist es aber, auch hier auf hochwertige Produkte zu achten und wenn möglich Hartplastik zu nutzen. Dann hat man mehrere Jahre etwas davon.
Zum Aussäen kann man – je nach Kultur – alte Plastikschalen von Gemüse verwenden. Wenn man selbst plastikfrei lebt, findet man solche Schalen vielleicht bei Nachbarn, Freunden oder auf dem Wertstoffhof. Die Samen legt man in regelmäßigen Abständen in die Erde.
Für Chili oder Paprika, die eine höhere Keimtemperatur benötigen, eignen sich Anzuchtgewächshäuser für das Fensterbrett gut. Die gibt es immer wieder gebraucht bei Online-Plattformen.

Wenn die Keimlinge dann groß genug sind – nachdem sich das erste Blattpaar nach den Keimblättern zeigt – wird pikiert. Das ist zeitaufwendig, aber wichtig, damit sich die Pflänzchen gut weiterentwickeln können. Mit einem Pikierstab (ersatzweise einem Bleistift oder einem Löffel) hebt man die Keimlinge aus der Erde. Vorsicht, nur an den Blättern berühren! Nun werden sie in Einzeltöpfe (am Besten eckig, damit sie sich besser anordnen lassen) oder Quickpot-Platten gesetzt. Je nach Kultur variiert die Setztiefe.

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Zum Angießen der feinen Samen oder kleinen Pflänzchen eignen sich Ballbrausen oder eine kleine Kindergießkanne mit Brause sehr gut.
Viele Jungpflanzen fühlen sich innen an großen Südfenstern wohl.
Es gibt aber Kulturen wie Salat oder Kohl, die es es zwar hell, aber nicht warm mögen. Diese fühlen sich im kühlen Schlafzimmer wohler.
Die Töpfchen und Platten stehen am besten in großen, flachen Plastikschalen.

Schritt 5
Die Beetplanung
Die ideale Größe von Gemüsebeeten liegt bei 1,20 Meter Breite und 2-4 Meter Länge. Ob als Hochbeet oder bodennah, diese Größe hat sich bewährt. Nord/Süd-Ausrichtung ist optimal. Soviel Sonne wie möglich, aber auch stundenweise Schatten sind von Vorteil. Kein Gemüse verträgt bei 40 Grad aggressive Sonnenstrahlen.

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Bevor man als Selbstversorger loslegt, sollte man berechnen, wie viele Beete in den Garten passen. Und aufschreiben, welches Gemüse man unbedingt pflanzen möchte. Am besten man sucht sich in der Fachliteratur (etwa „Das große Biogarten-Buch“ von Andrea Heistinger und dem Verein Arche Noah) eine passende Mischkulturtabelle – schließlich gibt Gemüsesorten, die gerne zusammen stehen, andere weniger.

Anfangs kann einen das etwas überfordern. Am besten, man geht mit den Ansprüchen etwas zurück und bleibt im ersten Jahr bei einfachen Gemüsesorten wie Rote Bete, Bohnen, Zucchini, Kürbis. Mit etwas mehr Erfahrung kann man sich dann an Kohl oder Gurken heranwagen. Von Mischkultur und Fruchtfolgetabellen sollte man sich nicht gleich verrückt machen lassen. Das sind nützliche Hilfen, aber im kleinen Hausgarten ist es auch in Ordnung, etwas anders zu machen.

Ein wichtiger Selbstversorger-Tipp zum Schluss: Fehler gehören dazu, und das ist auch gut so. So lernt man bekanntlich am Besten. Es gibt keinen perfekten Gemüsegarten, indem alles klappt. Die Jahre sind so unterschiedlich wie Menschen.
Sicherlich macht es Sinn sich an Mischkultur und Fruchtwechsel zu halten – aber das reicht auch noch in eurem zweiten Gartenjahr als Selbstversorger.

Text und Fotos: Sabrina Wagner, Cum Natura

Mehr über Sabrina Wagner und ihr Leben als Selbstversorgerin lest ihr in unserem Interview.

Wer keinen Platz für einen Garten hat, sondern nur einen kleinen Balkon, kann auch dort sein eigenes Gemüse ernten: Wie das geht, berichten Jessica Uhlig und Sabrina Trenkler von „Two Balconies“ im Interview.