Putzmittel Zutaten

Soda, Zitronensäure, Ethanol & Co – was ist das eigentlich?

Immer mehr Menschen verzichten auf konventionelle Reinigungsmittel und stellen lieber umweltfreundliche Putzmittel mit wenigen Zutaten aus dem Unverpackt-Laden selbst her. Dabei kommen meist altbewährte Hausmittel wie Soda, Wasserstoffperoxid und Zitronensäure zum Einsatz. Doch aus welchen Stoffen bestehen diese eigentlich? Und wie werden sie produziert? Hier stellen wir dir fünf klassische Hausmittel vor.

Putzmittel Zutaten

1. Apfelessig

Essig ist bereits aus dem alten Ägypten bekannt. Und auch unsere Großmütter verwendeten Essig als günstigen und ungiftigen Allzweckreiniger: Zum Reinigen und Desinfizieren, gegen Kalk, Fettspritzer, Seifenrückstände und Schimmel. Die natürliche Säure entsteht bei der Fermentation alkoholhaltiger Flüssigkeiten durch Essigsäurebakterien. So wird aus Apfelwein Apfelessig, ein natürliches, hochwertiges Hausmittel.

Haushaltsessig, auch Tafelessig genannt, besteht aus natürlichem Gärungsessig oder aus verdünntem synthetischen Essig und enthält 5 bis 6 Prozent Essigsäure. Essigessenz ist eine synthetisch hergestellte, 25-prozentige Essigsäure. Bei der industriellen Synthese, dem Monsanto-Prozess, wird Methanol mit Kohlenmonoxid unter Druck umgesetzt. Mit den entsprechenden Labeln ist Essig aus biologisch angebauten Zutaten gekennzeichnet.

2. Zitronensäure

Zitronensäure wirkt kalklösend und eignet sich deshalb zur Entkalkung von Wasserkochern, Geschirrspül- und Waschmaschinen, Duschköpfen und Wasserhähnen. Es gibt sie als Pulver und in flüssiger Form. Viele Unverpackt-Läden bieten Zitronensäure zum Abfüllen an. Natürliche Zitronensäure kommt nicht nur in der Zitrone vor. Sie ist im Pflanzenreich weit verbreitet und tritt als Stoffwechselprodukt in allen Organismen auf.

Erstmals in der Zitrone entdeckt, wurde Zitronensäure früher aus diesen Früchten gewonnen. Heute wird Zitronensäure in großem Maßstab industriell hergestellt. Zur Produktion werden Schimmelpilzkulturen von Aspergillus niger eingesetzt. Die Säure entsteht über Fermentation einer konzentrierten Zuckerlösung, gewonnen z. B. aus Mais oder Zuckerrüben.

Um die Zitronensäure-Ausbeute zu steigern, werden in den USA und China überwiegend gentechnisch veränderte Kulturen eigesetzt. Auch die Ausgangsstoffe können gentechnisch verändert sein. Für Öko-Putzmittel ist zertifizierte, gentechnikfreie Zitronensäure erhältlich.

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3. Soda

Reines Soda oder Waschsoda ist ein feines, weißes Pulver. Im Haushalt kann es als vielseitiges und effektives Reinigungsmittel eingesetzt werden. Soda löst eingebranntes Fett, hartnäckige Flecken und Gerüche. Chemisch betrachtet handelt es sich um Natriumcarbonat, man darf es nicht mit Natriumhydrogencarbonat, also Natron bzw. Backsoda verwechseln.

In Wasser gelöst, bildet Soda eine starke Lauge mit fett- und eiweißlösenden Eigenschaften. Soda ist bereits seit dem Altertum bekannt. Gewonnen wurde es früher auf natürliche Weise aus Salzablagerungen von Soda-Seen, wie sie etwa in Ostafrika oder Nordamerika vorkommen. Längst wird das altbewährte Hausmittel industriell hergestellt: über das Solvay-Verfahren oder auch Ammoniak-Soda-Verfahren. Grundlage ist eine gesättigte Kochsalzlösung, in die Ammoniak geleitet wird. Nachteil: Als Abfallprodukt entsteht in gleicher Menge Calciumchlorid, für das es keine Verwendung gibt.

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4. Wasserstoffperoxid

Wasserstoffperoxid kann zur Desinfektion und Reinigung in Küche und Bad eingesetzt werden. Es entfernt Schimmelsporen, Bakterien und Viren, Flecken und Gerüche. Wasserstoffperoxid ist eine leicht bläuliche, in verdünnter Form farblose Flüssigkeit, bestehend aus Wasserstoff und Sauerstoff. Es hat eine starke oxidative Wirkung.

Für den Hausgebrauch setzt man Wasserstoffperoxid stark verdünnt ein: als 3-prozentige Lösung, die in Glasflaschen erhältlich ist. In verdünnter Form zerfällt Wasserstoffperoxid leicht zu Wasser und Sauerstoff. Phosphorsäure dient als Stabilisator. Produkte ohne Stabilisatoren sind in Kunststoff-Flaschen erhältlich, die etwas aufblähen, wenn Sauerstoff entweicht. Wasserstoffperoxid entsteht bei vielen natürlichen biochemischen Prozessen, so auch als Zwischenprodukt im Stoffwechsel. Erstmals technisch hergestellt wurde es vor rund 200 Jahren. Zur industriellen Produktion kommt inzwischen das Anthrachinon-Verfahren zum Einsatz. Industrieller Ausgangsstoff ist Steinkohlenteer.

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5. Bio-Ethanol

Ethanol ist eine leicht entzündliche und stechend riechende Flüssigkeit. Umgangssprachlich wird Ethanol auch Alkohol, Weingeist oder Spiritus genannt. Das biologisch abbaubare Hausmittel kann zur Desinfektion und als Fettlöser eingesetzt werden.

Auf natürlichem Weg entsteht Ethanol bei der Vergärung von zucker- oder stärkehaltigen Früchten durch Hefen oder Bakterien. Bio-Ethanol oder Agraralkohol wird in landwirtschaftlichen Brennereien in großem Maßstab durch Gärung aus Biomasse, wie Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais und Getreide, gewonnen. Es ist als alternativer, aber umstrittener Treibstoff bekannt. „Bio“ bedeutet dabei jedoch nicht, dass der Stoff biologisch zertifiziert ist. Die Rohstoffe entstehen oftmals in Monokulturen, gentechnisch veränderte Pflanzenzüchtungen sind teilweise beteiligt.

Es gibt aber auch biologisches Ethanol aus kontrolliert biologischem Anbau. Auf synthetischem Weg wird Ethanol aus Wasser und erdölbasiertem Ethen produziert.

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Text Susi Lotz   Fotos Barbara von Woellwarth

Wie du aus diesen Hausmitteln deine eigenen Putzmittel herstellen kannst, haben uns Julia Seeliger und Luise Zaluski vom öko-sozialen Putzdienst Klara Grün verraten.