Plastikmüll

Alles, was du über Plastik wissen solltest

Plastik ist nicht gleich Plastik. Welches Sorten sind am schädlichsten für die Umwelt? Worauf kann ich beim Einkaufen achten? Und ist Bio-Plastik eine gute Alternative? Hier geben wir dir einen Überblick über die verschiedenen Kunststoffarten.

Plastikmüll

Plastikfreie Produkte

Schon vor einem Einkauf kannst du überlegen, ob es das gesuchte Produkt in einer plastikfreien Alternative gibt, etwa im Unverpackt-Laden. Viele Artikel werden inzwischen aus Holz, Glas, Edelstahl, Bambus oder Naturfasern gefertigt und in einer Papier- oder Glas-Verpackung angeboten. Auch an Frischetheken geben die Verkäufer*innen oftmals auf Anfrage Aufschnitt und Käse in die selbst mitgebrachte Dose hinein. Weitere Tipps zum umweltfreundlichen Einkaufen findest du hier.

Langlebiges Plastik

Wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, dann sind langlebige und haltbare Sorten die bessere Wahl. Es sollte möglichst lange nutzbar sein. Auf diese Weise werden Ressourcen geschont und Müllberge nicht unnötig vergrößert.

Recyceltes Plastik

Die Konsumgüterindustrie stellt immer mehr Verpackungen aus recyceltem Plastik her. Beispiele hierfür sind Kosmetik-Tuben und -Tiegel, Putzschwämme, sowie Joggingschuhe und Textilien aus recycelten PET-Flaschen.

Einige Industrie- und Handelsunternehmen haben sich zusammengeschlossen mit dem Ziel, eine Kreislaufwirtschaft einzuführen und den Marktanteil recycelter Verpackungen zu erhöhen. Der Kreislauf ist aber noch längst nicht geschlossen und weitere Forschungsarbeit notwendig. Zudem hört das Recycling meistens nach der zweiten Nutzung auf.

Recycelbares Plastik

Es gibt Plastiksorten, die sich recyceln lassen und andere, bei denen dies nur schwer oder überhaupt nicht möglich ist. Zu den gut recycelbaren Kunststoffen gehören PET (Polyethylenterephthalat) und PP (Polypropylen). Aus PET werden Getränkeflaschen hergestellt. Der überwiegende Teil kann wieder zu PET verarbeitet werden, nämlich zu PET-Granulat.

Aus diesem Recyklat werden Kunststofffasern und Verpackungen hergestellt, Lebensmittelbehälter kann man allerdings nicht mehr daraus fertigen. Die Kennzeichnung für recycelbare Kunststoffe ist auf Verpackungen gut zu erkennen.

Nicht recycelbares Plastik

Nur sortenreines Plastik kann man recyceln. Wenn verschiedene Kunststoffarten zu Verbundstoffen kombiniert werden, können Sortieranlagen das Material nicht zuordnen. Außerdem kann man Plastik, an dem Papier oder Metall haftet, nicht wiederverwerten. Solche Additive finden sich beispielsweise bei Joghurt-Bechern, die mir einem Deckeln aus Aluminium verschlossen sind. Schwarze und dunkelblaue Verpackungen können die Anlagen ebenfalls nicht erkennen. Nicht recycelbares Plastik endet in der Müllverbrennung oder wird ins Ausland verfrachtet.

Mikroplastik

Mikroplastik wird weltweit nachgewiesen: in Flüssen genauso wie in den Ozeanen, auf unseren Äckern, in der Luft oder im arktischen Eis. Wir atmen es ein, essen und trinken Mikroplastik. Produkte, die Mikroplastik enthalten oder freisetzen, sollte man unbedingt vermeiden. Die kleinen Teilchen finden sich in Wasch- und Reinigungsmitteln, in Zahnpasta, Duschgels, Lotionen und Peelings.

Es entsteht allerdings ebenso durch Abrieb: beim Waschen von Fleecejacken und anderen Textilien aus Polyester oder durch die Nutzung von Mikrofasertüchern und Spülschwämmen aus Plastikfasern. Für diese Produkte kann man plastikfreie Alternativen finden.

Bio-Plastik

Als Alternative zu herkömmlichem Plastik gibt es mittlerweile Bio-Kunststoff. Biobasierte Kunststoffe sind oftmals aus nachwachsenden Rohstoffen, wie Mais, Weizen oder Zuckerrohr produziert. Es gibt aber auch Mischungen aus biogenen Rohstoffen und Erdöl.

Der Begriff „Bio“ ist in diesem Zusammenhang jedoch irreführend. Denn mit biologischer Wirtschaftsweise hat der Anbau der pflanzlichen Rohstoffe nicht zwangsläufig etwas zu tun. Die Pflanzen wachsen oftmals in Monokulturen, unter Einsatz von Pestiziden und gentechnisch veränderten Organismen. Welche Eigenschaften sich hinter Bio-Plastik verbergen, ist nicht eindeutig gekennzeichnet. Nicht jeder biobasierte Kunststoff ist biologisch abbaubar. Und nicht jeder biologisch abbaubare Kunststoff besteht aus nachwachsenden Rohstoffen.

Wohin mit dem Bio-Plastik?

Tüten aus Bio-Plastik und biologisch abbaubare Kunststoffe haben im eigenen Kompost nichts zu suchen. Nach Expertenmeinung sollen sie auch nicht in die Braune Tonne gegeben werden. Denn Bio-Plastik zersetzt sich nur unter definierten Bedingungen – unter natürlichen Bedingungen verrottet es schwer oder gar nicht. Dabei entsteht kein wertvoller Humus, Zersetzungsprodukte sind lediglich CO2 und Wasser.

Eigene Kompostieranlagen für Bio-Kunststoffe gibt es derzeit nicht. Im Recyclingprozess verursacht kompostierbares Bio-Plastik im PET-Strom außerdem ein Problem. Es vermindert die Qualität bis hin zur Unbrauchbarkeit des recycelbaren PET. Deshalb sollte man Bio-Plastik-Verpackungen in den Hausmüll geben.

Übrigens: Vor dem Zweiten Weltkrieg war es durchaus üblich, Plastik aus pflanzlichen Rohstoffen zu fertigen. So stellte Henry Ford 1941 sein Hanf-Auto, das „Hemp-Car“, vor. Nach dem Krieg wurde der Hanfanbau verboten. Gleichzeitig begann der Aufschwung der Petrochemie, und erdölbasierter Kunststoff eroberte den Markt. Selbst jetzt noch ist der Anbau von Industriehanf in großen Teilen der Welt verboten und nur wenige Produkte aus Hanfplastik finden sich in den Läden.

Tipp: Das Ideen-Portal smarticular.net hat eine Pyramide zum Plastiksparen entworfen. Sie zeigt, an welchen Stellen es sich besonders lohnt, Kunststoffe zu vermeiden. Auf diese Weise lassen sich beim Einkaufen Plastik-Verpackungen genauer unter die Lupe nehmen.

Text Susi Lotz   Foto Masha Kotliarenko, Unsplash