Tomaten Klimafreundlich Ernähren

Klimafreundliche Ernährung – wie geht das?

Wer im Alltag klimafreundlich leben möchte, stellt sich oftmals die Frage, was auf dem Teller landen soll. Die Autor*innen des Buchs „Super Local Food“ wissen Rat. Sie haben vier wichtige Tipps, wie eine klimafreundliche Ernährung aussehen kann.

Die Berechnung der Emissionen eines Lebensmittels ist hochkomplex, denn diese können an vielen Stellen der Wertschöpfungskette anfallen. Klimaschädliche Gase werden unter anderem durch Landnutzungsänderungen (aus Wäldern und Mooren werden zum Beispiel Viehweiden), durch den Einsatz von Dünger, durch Tierhaltung, durch Verwendung landwirtschaftlicher Maschinen, bei der Verarbeitung, bei der Lagerung (zum Beispiel durch Kühlung) und/oder beim Transport (nicht nur von der Verarbeitung zur Verkaufsstelle, sondern auch zwischen verschiedenen Verarbeitungsorten) freigesetzt.

Glücklicherweise musst du diese Punkte aber nicht alle einzeln in deine Kaufentscheidung einfließen lassen, denn es gibt vier Faustregeln, mit deren Hilfe du deine Ernährung klimaverträglicher gestalten kannst: wenig tierische Produkte, biologisch, frisch & wenig verarbeitet, regional & saisonal.

1. Wenig tierische Produkte

Dass die intensive Tierhaltung besonders viele Treibhausgase freisetzt, hast du bestimmt schon gehört. Rindfleisch schneidet hier besonders schlecht ab, denn zusätzlich zum großen Bedarf an Futtermitteln, deren Produktion an sich bereits hohe Emissionen verursacht, entsteht während des Verdauungsvorgangs von Wiederkäuern das besonders klimaschädliche Methangas. Doch auch Schweinefleisch, Geflügel und weitere Fleischsorten sind klimaschädlich. Daher gilt: je fleischärmer deine Ernährung, desto klimafreundlicher! Auch Milchprodukte wie Butter oder Käse schlagen mit hohen Emissionen zu Buche, da zahlreiche Liter Milch für die Herstellung benötigt werden, deren Produktion wiederum mit Klimabelastungen einhergeht.

Tierhaltung Jessica Jungbauer

2. Biologisch

In der ökologischen Landwirtschaft werden deutlich weniger bis keine Pestizide eingesetzt und auf die Verwendung von Mineraldüngern verzichtet. Dies wirkt sich unter anderem positiv auf Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit, Treibhausgasemissionen und den Ressourcenverbrauch aus. Mit dem Kauf von biologischen Produkten kannst du also einen Beitrag zu Umwelt- und Ressourcenschutz in der landwirtschaftlichen Produktion leisten.

3. Frisch und wenig verarbeitet

Frische Lebensmittel weisen einen deutlich geringeren Energieverbrauch auf als Fertigprodukte. Bei der Herstellung durchlaufen verarbeitete Lebensmittel meist diverse Prozessstufen, wie beispielsweise Erhitzung oder (Tief-)Kühlung, die zu weiteren Treibhausgasemissionen führen. Zusätzlich kommen längere Transportwege durch verschiedene Produktionsstandorte und Verpackungsmaterialien hinzu.

4. Regional und saisonal

Weite Transportwege setzen mehr Treibhausgase frei, logisch. Doch spielt nicht nur der Weg, sondern auch das verwendete Transportmittel eine entscheidende Rolle: So fällt die Klimabelastung durch Luftfracht im Vergleich zu Hochseeschiff und LKW grundsätzlich bedeutend höher aus. Und auch der individuelle Verkehr mit dem Auto vom Supermarkt oder Bio-Laden bis nach Hause kann das Klima in hohem Maße belasten.
Daher ist es entscheidend, auch den Transport über die letzten Kilometer möglichst nachhaltig zu gestalten, um eine klimaschonende Wirkung zu erzielen.

Warum die Saison so wichtig ist

Auf Regionalität zu achten ist zwar eine gute Entscheidung, doch ohne die Berücksichtigung der Saison bringt es wenig: Regionale Lebensmittel müssen entweder gelagert werden oder aus dem Treibhaus stammen, um außerhalb der Saison bei uns verfügbar zu sein. Beides setzt durch den Energieverbrauch für die Kühlung der Lagerhäuser beziehungsweise Beheizung der Gewächshäuser hohe Mengen Treibhausgase frei. So können Lebensmittel, regional und biologisch angebaut, außerhalb der Saison sogar ein Vielfaches mehr an Emissionen verursachen als solche, die per Schiff aus Übersee hierher transportiert wurden.

 

Über die Autor*innen:

Buch Super Local Food

Stefanie Schäfter (im Bild rechts) hat Umweltpolitik und Umweltmanagement studiert und berät Kommunen und öffentliche Einrichtungen im Themenfeld des kommunalen Klimaschutzes. Privat setzt sie sich für die Ernährungswende in der Stadt ein.

Meike Fienitz (zweite von links) hat Environmental Policy and Planning studiert und forscht zu Landnutzungskonflikten in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist bei Slow Food Youth Berlin aktiv und nebenbei begeisterte Hobbygärtnerin.

Felix Buchborn (im Bild links) ist Student der Lateinamerikastudien und forscht zu nachhaltigen Lebensstilen mit dem Fokus auf soziale und ökologische Folgen unseres Lebensmittelkonsums. Darüber hinaus setzt er sich aktiv gegen Lebensmittelverschwendung und für ein nachhaltiges und faires Ernährungssystem ein.

Kira van den Hövel (zweite von rechts) ist Ernährungswissenschaftlerin und Dozentin für Ernährung und Gesundheit an der Hochschule Düsseldorf. Ihr Themenfeld ist die Ernährungsbildung und die Wissensvermittlung einer nachhaltigen Ernährung insbesondere im frühkindlichen Bereich. 

Text: Stefanie SchäfterMeike FienitzFelix BuchbornKira van den Hövel
Fotos Emanuel Herm, Jessica Jungbauer
Foto Autor*innen: Samira Kreuels
Cover: Oekom Verlag

 

Dieser Beitrag ist erschienen im Buch „Super Local Food. Gesund und nachhaltig essen: Faktencheck und Rezepte“
Oekom Verlag
ISBN: 978-3-96238-180-6

Hier geht es zu einem leckeren und klimaverträglichen Rezept, das die Autor*innen mit uns geteilt haben: Spargel-Kartoffel-Salat mit Radieschen und Minze.

 

 

Kategorien Wissen