Biodiversität

Warum wir mehr Biodiversität brauchen

Auf unseren Feldern und Wiesen wachsen nur wenige Pflanzenarten. Und auch viele Privatgärten sind sauber aufgeräumt. Warum ist es wichtig, dass sich das ändert? Hier erfährst du, welche Bedeutung die biologische Vielfalt vor unserer Haustür hat.

Biodiversität

Mit der Industrialisierung und Intensivierung der Landwirtschaft gehen Lebensräume für Tiere und Pflanzen verloren. Die Flurbereinigung hat Hecken, Feldraine und blütenreiche Böschungen beseitigt, Feuchtwiesen entwässert, Bäche kanalisiert. Auf immer größeren Feldern gibt es kaum noch Ackerwildkräuter. Monokulturen, Mineraldünger und Pestizide beeinflussen die Biodiversität der Arten und ihrer Lebensräume zusätzlich negativ.

Masse verschwindet

Viele Arten sind heute ausgestorben oder gefährdet. 83 Prozent der Vogelarten in der Agrarlandschaft gelten als bedroht, wie die Max-Planck-Gesellschaft im Juni 2021 veröffentlichte. Allerdings geht nicht nur die Anzahl der Arten zurück. Auch die Masse, also die Individuenzahl, nimmt stark ab.

Biodiversität Insektenhotel

Ganz besonders betrifft das die Insekten. Ihre Menge hat in Deutschland seit 1989 um mindestens 75 Prozent abgenommen. Dabei verbessern Insekten die Bodenqualität und bilden die Basis vieler Nahrungsketten. Hummeln, Wildbienen und Honigbienen bestäuben darüber hinaus Obstbäume und viele andere Nutzpflanzen: insgesamt drei Viertel der wichtigsten Kulturpflanzen. In anderen Worten: Landwirtschaft und Ernährung sind untrennbar mit der Insektenwelt verbunden.

In privaten Gärten nehmen monotone Rasenflächen und oftmals kahle Beete großen Raum ein. Abwechslungsreich gestaltete Gärten mit einheimischen Pflanzenarten beherbergen jedoch weitaus mehr Arten und Artengemeinschaften. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz kommen dort bis zu 2.500 Arten vor. Bewirtschaften Gärtner ihre Flächen giftfrei und naturnah, entstehen Lebensräume für Insekten, Vögel und kleine Säugetiere. Zum Vergleich: In konventionellen Gärten leben 10 bis 15 Vogelarten – in naturnahen Gärten etwa 25 Brutvogelarten.

Biodiversität

Ganzjähriges Nahrungsangebot fehlt

Insekten und Vögel sind das ganze Jahr über auf ein arten- und blütenreiches Nahrungsangebot angewiesen. In unserer artenarmen Landschaft finden sie nicht mehr genügend Nahrung. Umso wichtiger ist es, artenreiche und insektenfreundliche Blühflächen anzulegen: auf Feldern und Wiesen und auch in privaten Gärten.

Über das Netz naturnaher Gärten können sich seltene Arten zudem weiter ausbreiten. Und wie in der Landwirtschaft gehören auch im Garten Biodiversität und Ertrag zusammen. Je vielfältiger die Strukturen und Lebensräume im Garten sind, desto leichter reguliert sich das System. Das ökologische Gleichgewicht ist dann stabiler. Artenreiche Wiesen, Äcker und Gärten haben viele Funktionen. Sie bieten einer Fülle von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen einen Lebensraum.

Text: Susi Lotz
Fotos: Barbara von Woellwarth, Jessica Jungbauer