Biodiversität

Biodiversität: von der Vielfalt des Lebens

Der Begriff „Biodiversität“ taucht oft auf, wenn es um Artenvielfalt geht. Was ist aber eigentlich genau damit gemeint? Wir erklären, was Biodiversität mit Stabilität zu tun hat – und warum noch viel mehr dahinter steckt als eine schöne, bunte Artenvielfalt.

Biodiversität

Die biologische Vielfalt oder auch Biodiversität beschreibt die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten. Biodiversität umfasst die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme, in denen die Arten leben. Die Vielfalt dieser drei großen Bereiche – Gene, Arten und Ökosysteme – ergeben zusammen die Biodiversität. Alle Bereiche sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig. Warum ist das so?

Genetische Vielfalt sichert Überleben

Viele verschiedene Arten ergeben zwar eine große Artenvielfalt. Wenn aber von jeder Art nur wenige Individuen existieren, können Arten trotzdem aussterben. Die genetische Vielfalt ist dann so gering, dass sich Tier- und Pflanzenarten nicht an veränderte Umweltbedingungen anpassen können. Wie etwa an Hitze, Frost, Trockenheit und veränderte Lebensbedingungen durch den Klimawandel. Bei einer zu geringen Individuenzahl gibt es Inzucht, und die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheitserreger nimmt ab. Die genetische Vielfalt hat also eine entscheidende Bedeutung für das Überleben der einzelnen Arten.

Artenvielfalt erzeugt Stabilität

Fehlen nun Arten, hat auch das Auswirkungen. Das gesamte Ökosystem ist dann betroffen, also die Wechselwirkungen zwischen den Lebensgemeinschaften und ihrem Lebensraum. Denn jede Art erfüllt im Ökosystem bestimmte Funktionen, die auch als Ökosystemdienstleitung bezeichnet wird.

So wie der Regenwurm eine Schlüsselfunktion für das Ökosystem Boden hat. Regenwürmer lockern verdichteten Boden auf und durchlüften ihn, sie graben den Boden regelrecht um. Sie sorgen für fruchtbare Böden, auf denen Pflanzen gut wachsen können. Und sie schützen vor Hochwasser, indem sie die Wasserspeicherkapazität des Bodens erhöhen. In Deutschland gibt es rund 50 Regenwurmarten. Auf intensiv bewirtschafteten Äckern sind nur wenige Regenwurmarten aktiv. Gibt es zu wenig Arten, verändert sich das Ökosystem, gerät aus dem Gleichgewicht oder bricht vollständig zusammen. Deshalb ist die Vielfalt der Arten wichtig für die Stabilität eines Ökosystems.

Biodiversität Erde Kompost

Vielfältiges Leben braucht Ökosystemvielfalt

Die meisten Arten sind an ganz bestimmte Umweltbedingungen angepasst. Amphibien brauchen saubere Laichgewässer, Bewohner des Wattenmeeres die Gezeiten, Meerestiere bestimmte Wassertemperaturen. Verändern, verkleinern oder zerstören wir Lebensräume, beeinträchtigt das immer die darin lebenden Arten: in ihrer Anzahl und in ihrer Individuenzahl. Manchen Arten können sich an neue Bedingungen anpassen, andere nicht. Sie verschwinden oder sterben aus.

Fischschwärme wandern etwa in kältere Zonen ab, weil das Meerwasser infolge des Klimawandels zu warm ist. Dazu gehört der Kabeljau aus der Nordsee. Er verlagert seinen Lebensraum polwärts. Korallen hingegen sterben in zu warmem Wasser ab. Die Masse von pflanzlichen Algen und Bakterien im Ozean, Phytoplankton genannt, geht weltweit zurück. Ökosysteme sind nicht austauschbar. Nur in verschiedenartigen Lebensräumen können vielfältige Arten- und Individuen-Gemeinschaften existieren.

Text Susi Lotz   Fotos Barbara von Woellwarth