Eva-Maria Walle Boden Regina Recht

Das kannst du selbst für einen gesunden Boden tun

Die Arbeit an der Bodenfruchtbarkeit ist eine Grundlage im biologisch-dynamischen Anbau. Man möchte das Bodenpotential voll ausschöpfen, indem man entsprechende Fäden zieht, etwa mit Gründüngung. Jede*r kann selbst etwas für einen gesunden Boden tun – mit diesen Tipps von Anbau-Beraterin und Agrarwissenschaftlerin Eva-Maria Walle. Sie ist auf die Umstellung von konventionellem auf biologisch-dynamischen Anbau spezialisiert.

Eva-Maria Walle Boden Regina RechtBodenfruchtbarkeit bedeutet mehr als nur ein nährstoffreicher Boden.
Sie entsteht durch das komplexe Zusammenspiel von mineralogischen, physikalischen, chemischen und biologischen Wachstumsfaktoren. Diese umfassen zum Beispiel den Gehalt und die Verhältnisse der pflanzenverfügbaren Nährstoffe, Bodenreaktionen, die Durchlässigkeit und Speicherfähigkeit für Wasser und Luft, den Gehalt an organischer Bodensubstanz und die biologische Aktivität.

All diese Faktoren wirken in Kombination mit Wetterbedingungen, Bodenbewirtschaftung und Bodenbearbeitung. Ziel ist eine dauerhafte und umweltverträgliche Optimierung des Ertrags.

Wer einen Garten oder Balkon hat, kann selbst etwas für einen guten Boden tun – mit diesen Tipps von Eva-Maria Walle.

1. Lerne den Boden kennen

Eva-Maria Walle Boden Regina Recht Gründüngung

Lerne den Boden mit allen Sinnen kennen. Fasse ihn an. Betrachte ihn. Rieche ihn. Je öfter du die Qualität des Bodens mit allen Sinnen wahrnimmst, desto feiner wird deine Wahrnehmung: Ist der Boden gesund? Fehlt ihm etwas? Wenn dein Boden fest ist, solltest du hellhörig werden. Ist er locker und fein, das ist ein gutes Zeichen.

2. Nehme eine Bodenprobe

Eva-Maria Walle Boden Regina Recht Gründüngung

Steche einen „Erdklotz“ aus, beispielsweise einen 20 × 20 × 20 cm großen Quader. Du findest keinen einzigen Regenwurm darin? Dann solltest du hellhörig werden. Fünf Regenwürmer bedeuten: Der Boden ist fruchtbar. Bei zehn Regenwürmern hast du Applaus verdient: Du hast unglaublich gute Arbeit geleistet!

3. Versuche es mit Gründüngung

Klee Eva-Maria Walle Gründüngung Unsplash

Bei der Gründüngung werden bestimmte Pflanzenarten – etwa Klee oder Wicken – ausgesät wie Weizen oder Gerste. Die Pflanzen verbleiben eine gewisse Zeit auf dem Feld, zwischen drei Monaten und einem Jahr. Gründüngungspflanzen verfügen über besondere Fähigkeiten. Zum einen wirken sie direkt unter der Erdoberfläche, im oberen Wurzelbereich. Hier bilden sie spezielle Bakterien, die Stickstoff aus der Luft aufnehmen und wieder abgeben.

Am eindrucksvollsten erlebst du die Wirkung im Vergleich: Säe Gründungspflanzen auf einen Teil des Beetes, bearbeite den anderen Teil ganz normal (alternativ: nehme zwei Pflanzkübel und verfahre wie beschrieben).

Beachte die Aussaathinweise: Manche Gründüngungspflanzen verbleiben einige Monate, andere ein ganzes Jahr im Boden. Man lässt sie abfrieren, das heißt: Sie gehen im Winter kaputt. Kleegras, Erbsen oder Bohnen gräbt man um, bevor die nächste Kultur in den Boden kommt.

 

Weitere Infos
Anbieter von Gründung und Präparaten:
Dreschflegel: www.dreschflegel-saatgut.de
Sativa: www.sativa-biosaatgut.de
Reinsaat: www.reinsaat.at
Präparatekiste: https://praeparatekiste.de

 

Text Elisabeth Hussendörfer
Fotos Regina Recht, Unsplash/Crystal Jo

Mehr über die Arbeit von Eva-Maria Walle erfährst du im Interview.