Werde Magazin - Kopenhagen - Mode Laursen Fonnesbech

Neue Mode mit alten Werten

Die Kollektion Fonnesbech tritt den Beweis an, dass Nachhaltigkeit und Mode sich nicht ausschließen. Andrea Friis Laursen arbeitet eng mit der Gründerin Celina Fonnesbech zusammen. Wir haben sie getroffen.

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Wir befinden uns hier, im lichtdurchfluteten Schauraum am Kopenhagener Nikolaj Plads, an einem historischen Ort. Welche Bedeutung hat dieses Haus für euch?
Ja, das stimmt. Unser Name ist schon lange mit dieser Adresse verknüpft. Ursprünglich war Fonnesbech eines der ältesten Kaufhäuser der Stadt und von 1847 an bis zu seiner Schließung in den späten 1970ern in Familienhand. Dann ruhten die Geschäfte, bis Celina Fonnesbech, Urahnin des Gründervaters Anders, 2014 eine nachhaltig produzierte Modekollektion ins Leben rief.

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Was war der Ausgangspunkt für die Idee?
Celina wollte die alten Werte ihrer Familie übernehmen, diese aber mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit ergänzen. Geblieben sind das klassische Design und der hohe Anspruch an Qualität. Weil wir an unsere früheren Kollektionen anknüpfen wollten, haben wir alte Fonnesbech-Kleidung aufgespürt. Dabei haben wir zu unserer Freude festgestellt, dass sie in fabelhaftem Zustand war.

Ihr seid gegen überflüssigen Konsum und Massenproduktion. Lässt sich das mit Mode vereinbaren?
Alle, die für Fonnesbech arbeiten, sind modebegeistert. Aber wir hatten das Gefühl, dass sich in den letzten Jahren das Rad immer schneller drehte. Daher wollten wir konsequent einen anderen Weg einschlagen. Unsere Mode ist nicht nur aus nachhaltigen Materialien und sozialverträglich produziert. Wir achten bei den Entwürfen auch auf Kombinierbarkeit und Zeitlosigkeit.

Faire Arbeitsbedinungen und kurzer Transport

 

Wie wird Ökologie in Dänemark wahrgenommen?
Das Bewusstsein ist bei den Dänen längst vorhanden. Und wir haben ein schönes Vorbild: Kronprinzessin Mary interessiert sich sehr für Ökomode.

Ihr legt großen Wert auf die Verarbeitung und sucht besonders langlebige Stoffe aus. Wo wird die Kollektion hergestellt?
Wir produzieren nur in Europa, meist in Litauen. Die Stoffe stammen aus Italien und Frankreich. So können wir faire Arbeitsbedingungen und kurze Transportwege garantieren.

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Immer mehr Menschen legen Wert auf nachhaltig produzierte Mode. Dennoch bleibt das Gefühl, es könnte mehr getan werden. Wie stehen die Chancen, dass sich in puncto ökologisch und sozial vertretbarer Kleidung wirklich etwas ändert?
Nachhaltige Mode ist klar auf dem Vormarsch. Leider ist ihr Image immer noch ein bisschen angestaubt. Das zu ändern, sehen wir als eine unserer wichtigsten Aufgaben. Es gibt noch viele Vorurteile, die auszuräumen sind. So hören wir immer wieder Fragen wie: Ist Ökobaumwolle genauso haltbar wie normal produzierte Baumwolle? Wir leisten also täglich Aufklärungsarbeit.

Welche nachhaltigen Materialien sind in der aktuellen Kollektion verarbeitet?
Wir haben zum Beispiel einen Stoff aus recycelten Jeans eingesetzt. Und einen organischen gelben Wollkrepp, der fast so leicht wie Seide ist und zu einem langen Kleid verarbeitet wurde. Wie in jeder Saison ist GOTS-zertifizierte Baumwolle dabei. Daneben gibt es einen Stoff, der wie Seide aussieht. Hergestellt wird er aus recycelten Plastikflaschen, die in Norditalien gesammelt werden. Es ist immer noch eine Herausforderung, solche Materialien zu erklären und die Vorurteile dagegen abzubauen.

Auf der einen Seite wächst der Einfluss nachhaltiger Kollektionen, auf der anderen Seite wird weltweit immer mehr schnell und billig produzierte Mode verkauft. Wie beurteilst du diese Gegensätze?
Dieser Widerspruch ist nur schwer aufzulösen. Aber ich kenne inzwischen viele Menschen, die sehr genau auf das Etikett schauen, wenn sie etwas kaufen. Und wir kämpfen täglich dafür, dass es noch mehr werden.

Werde Magazin - Kopenhagen - Mode Laursen Fonnesbech

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Text (Ilona Marx)  Fotos (Thekla Ehling)