Die Naturgeschichte der Honigbiene

Es wird vermutet, dass die Honigbiene bereits 110 Millionen Jahre auf der Erde lebt. Den ersten Fund einer versteinerten Biene aus dem Eckfelder Maar schätzt man auf 45 Millionen Jahre.

Diese Biene weist große Ähnlichkeiten mit unserer heutigen Honigbiene auf. Dadurch zeigt sich, dass sie eine erfolgreiche Art in der Evolution darstellt. Es ist die Erfolgsgeschichte eines wirbellosen Tiers, eines Insekts. Erste Berührungspunkte der Honigbiene mit dem Menschen gab es während der Jäger- und Sammlerzeit, während der Altsteinzeit. Auch der Mensch nahm die Schleckereien des Bären in seinen Speiseplan auf und jagte dem süßen Honig nach. Später entwickelte sich der Beruf des Imkers.

Naturgeschichte der Honigbiene

Honigbienenarten

Die Honigbienen gehören in die Ordnung der Hautflügler, die etwa 156 000 Insektenarten beschreibt. Unter ihnen zum Beispiel auch Schmetterlinge, Wespen oder verschiedene Käfer. Nun verengt sich der Kreis, und die Honigbiene zählt zu der Familie der Echten Bienen, die Familie Apidae, die der Überfamilie Apoidea abstammt. Zu guter Letzt bilden die Honigbienen eine eigene Gattung, Apis. Erstaunlicherweise gibt es nur wenige ihrer Art. Manche sprechen von neun, andere von sieben Honigbienenarten. Besonders hierbei ist, dass sich eine einzige ihrer Art in Europa und Afrika durchgesetzt hat: die westliche Honigbiene, Aps mellifera (mel – Honig, ferre – tragen). Diese Bezeichnung hat sich durchgesetzt, obwohl der Name der Honigbiene nicht entspricht. Die Biene sammelt ja den Honig nicht, sie produziert ihn. Doch die Änderung in mellifica (honigmachend) setzte sich nicht mehr durch.

Unsere Honigbiene, also Apis mellifera, entwickelte trotz ihrer Seltenheit viele verschiedene Rassen, die sich auch untereinander kreuzen lassen. Alle anderen Arten der Honigbiene lassen sich im asiatischen Raum finden. Diese sind meist „Riesen“ oder „Zwerge“. Unter ihnen die Riesenhonigbiene (Apis dorsata) und die Zwerghonigbiene (Apis florea).

Kliffhonigbiene und Östliche Honigbiene

Beeindruckend ist zum Beispiel auch die Kliffhonigbiene (Apis laboriosa – die Arbeitsame, Mühevolle, Geplagte), die in den kühlen Hochtälern des Himalayas vorkommt. Ganz anders als unsere Honigbiene lebt sie wild, zwischen Kliffen, wie ihr Name schon sagt. Ihr Honig wird in schwerer, manchmal sogar tödlicher Arbeit in schwindelnder Höhe auf schwingenden, selbst geknoteten Strickleitern gewonnen. Doch die eine Wabe, die sie im Sommer bauen, wird durch die Honiggewinnung zerstört. Im Winter fliegen sie ins Tal und bilden eine dichte Traube, um die kalten Tage zu überstehen. Eine nahe Schwester unserer Mellifera ist die östliche Honigbiene, die in Asien in Beuten gehalten wird. Durch die Ertragsstärke der europäischen Honigbiene wird sie jedoch kulturell verdrängt. Sie lebt seit Jahrtausenden mit den Varroamilben in Koexistenz.

Wildbienen

Anders als der Name zu sagen scheint, versteht man unter Wildbienen nicht wild lebende Honigbienen, sondern alle Bienen, außer der Honigbiene, die der Überfamilie Apoidea angehören. Es gibt mehr als 600 Arten, die staatenbildend oder solitär leben.

Wenn es im Garten nicht nur von Bienen summt, sondern auch brummt, und träge, dicke Brummer vorbeifliegen, dann kann es sich nur um Hummeln handeln. Diese gehören ebenso zu den Echten Bienen und den staatenbildenden Insekten. Somit stellen sie enge Verwandte der Honigbienen dar. Doch sie unterscheiden sich in ihrer Staatenstruktur.

So überwintert zum Beispiel nicht das ganze Volk, sondern nur eine begattete Jungkönigin, die im nächsten Frühjahr mit der Gründung eines neuen Staates beginnt. Wer gehört hat, dass Hummeln nicht stechen, der soll nun enttäuscht werden. Hummeln besitzen tatsächlich einen kleinen Stachel, den sie zur Abwehr nutzen. Bei großer Gefahr legen sie sich auf den Rücken, strecken alle Beinchen und den Stachel von sich, und es ertönt dazu ein lautes Brummen. Vielleicht kennt der ein oder andere noch die Holz- oder die Mauerbiene, doch viele Arten sind gar nicht bekannt. Besonders einige Wildbienenarten sind in Deutschland in Gefahr, auszusterben. 230 verschiedene deutsche Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste.

Wespen und Hornissen

Wespen und Hornissen könnte man als entferntere Verwandte der Honigbienen bezeichnen. Sie gehören wie die Honigbienen den Taillenwespen und den Stechimmen an. Wir kennen es nur zu gut: Wespen, die uns beim Sonntagsbrunch im Sommer den Schinken klauen. Diesen brauchen sie für die Aufzucht ihrer Brut. Wespen gelten als Plage. Sie haben aber ihre Aufgabe in der Natur. So gibt es Räuber und Aasfresser bei den Wespen. Als Jäger tragen sie auch dazu bei, dass zum Beispiel Stechmücken dezimiert werden. Besonders faszinierend sind Hornissen, die auch zu den Wespen gehören. Sie sind die einzigen, die nachts aktiv sind. Hornissen sind besonders sanftmütig. „Drei Hornissen töten einen Menschen, sieben ein Pferd“ ist Humbug. Viele Wespen werden leider grundlos verfolgt und ihre Nester abgetötet. Besonders tragisch ist, dass selten zwischen den unterschiedlichen Wespenarten eine Differenzierung stattfindet. So sind manche Arten sogar bedroht.

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