Faire, vegane & nachhaltige Taschen

Ob Taschen aus chromfrei gegerbtem Leder, Rucksäcke aus Fairtrade-zertifizierter Biobaumwolle, Clutches aus Kork oder Taschenmodelle aus veganem Leder – inzwischen gibt es zahlreiche Eco Labels, die faire, vegane und nachhaltige Taschen kreieren.

Wir stellen zehn Hersteller vor, die ihr Augenmerk auf eine ökofaire Produktion legen. Auch für Männer haben wir in unserem Guide ausreichend nachhaltige Taschen im Angebot. Aus welchen Materialien die Taschen gefertigt sind, entscheidet jeder selbst. Wichtig ist: Je länger eine einmal erworbene Tasche eine tragende Rolle spielt (und nicht durch ein schnelllebiges Trend-Teil ersetzt wird), desto nachhaltiger ist diese Anschaffung.

Abury

Abury ist weit mehr als ein Taschen- und Accessoire-Label: Die Marke wurde 2011 von der Berlinerin Andrea Bury ins Leben gerufen. Ihre Vision: Handwerkskunst und interkulturelle Zusammenarbeit fördern und Handwerker und Designer auf der ganzen Welt miteinander vernetzen. Aus diesem Grund hat die Unternehmerin unter anderem den globalen Designercontest Abury Design Experience gegründet. Ein Wettbewerb, der es Designern ermöglicht, für zwei Monate in ein Land zu reisen, Workshops zu geben und gemeinsam mit den Kunsthandwerkern vor Ort eine Kollektion zu entwickeln. Darüberhinaus gibt es die Abury Foundation, die Bildungsprojekte, wie etwa eine Schule in Marokko, fördert und in die 50 % der Gewinne fließen. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte von Abury mit den traditionell gefertigten marokkanischen Berbertaschen – auch heute noch Markenzeichen des Labels. Inzwischen umfasst das Sortiment zahlreiche weitere handgefertigte Taschen und Accessoires – unter anderem Clutches, Vintage-Taschen, Babouches (marokkanische Schläppchen), Strandtücher und Decken.

Angela Roi

Das 2013 gegründete Taschenlabel Angela Roi vereint Handwerkskunst mit Tierliebe. Sämtliche Taschen und Accessoires des New Yorker Labels sind vegan. Statt aus Leder werden die minimalistisch-zeitlosen Taschen aus einem Kunstleder namens Epul gefertigt. Die Idee: Ethik und Ästhetik müssen einander nicht ausschließen, sondern können ein stimmiges Ganzes ergeben. Das Ergebnis kann es optisch mit den Taschen von Luxusmarken locker aufnehmen. Und wesentlich günstiger als eine Logo-Tasche sind die Modelle zudem. Für Veganerinnen also eine klassische Win-win-Situation. Gut zu wissen: Die Taschen gibt’s inzwischen auch in Europa – unter anderem bei den beiden britischen Onlineshops naturisimo.com und antibadstore.com.

Bridge&Tunnel

Foto – Bridge&Tunnel: Lisa Rothfuss

Das preisgekrönte Label Bridge&Tunnel steht für lokale, faire und ökologische Produkte. Initiiert wurde es von den beiden Hamburgerinnen Lotte Erhorn und Constanze Klotz. Auslöser für das interkulturelle Design-Projekt war ein muslimischer Näh-Club im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg (in der Hansestadt als „Problembezirk“ bekannt). Innerhalb kurzer Zeit erwuchs aus diesem spannenden Projekt ein Unternehmen, das langzeitarbeitslosen Frauen zu einer neuen, sinnvollen Tätigkeit sowie zu einem regelmäßigen Einkommen verhilft.

Gleichzeitig steht das Label für smartes Upcycling: In ihrer Wilhelmsburger Werkstatt Stoffdeck verarbeitet Bridge&Tunnel unter anderem Textilien, die aus der Kleiderkammer stammen. Und auch aus Stoffabfällen entstehen nachhaltige Unikate für Männer und Frauen, wie etwa die aus Jeansresten gefertigten Patchwork-Taschen. Constanze Klotz und Lotte Erhorn, die sprichwörtlich eine Brücke zwischen Design und sozialem Engagement schlagen, wurden im Februar dieses Jahres für ihr gesellschaftsrelevantes Schaffen geehrt und mit dem »German Design Award 2018« ausgezeichnet. Neben Taschen stellt das Label übrigens auch Kleidung und (Wohn-)Accessoires her. Tipp: Wer selbst kreativ werden möchte, kann auf der Webseite gegen eine kleine Gebühr DIY-Schnittmuster für Taschen & Co downloaden.

Denise Roobol

Das niederländische Label Denise Roobol fusioniert minimalistisches und funktionales Design mit veganen Materialen. Das in Rotterdam beheimatete Label stellt ausschließlich Taschen und Accessoires her, die frei von tierischen Bestandteilen sind. Zum Einsatz kommen Hightech-Materialien, die echtem Leder zum Verwechseln ähnlich sehen, aber keinem Tier schaden – sagt auch PETA (mehr dazu in unserem Siegel-Guide). Tipp: Die minimalistischen Rucksäcke sind in gedeckten Farben gehalten, so dass sie auch problemlos von Männern getragen werden können.

Early

Seit 2012 fertigt das Frankfurter Label Early handgearbeitete Ledertaschen und Accessoires für Männer und Frauen. Die Taschen werden unter anderem aus pflanzlich gegerbtem Leder hergestellt. In Zusammenarbeit mit dem Reutlinger Hersteller Wet-Green kommt in den Kollektionen beispielsweise „Olive Leather“ zum Einsatz. Ein Leder, bei dem Olivenblattöl zum Gerben verwendet wird. Auch mit pflanzlichen Stoffen wie Tara-Schoten und Rhabarber wird gegerbt. Die Leder sind allesamt frei von Chrom und weiteren Schadstoffen und somit allergikerfreundlich. Für die farbenfrohe, limitierte Vintage-Edition wiederum wurden Leder-Restbestände aus den Siebzigern und Achtzigern verarbeitet. Die Frankfurter Label-Gründerin Valerie Sietzy legt zudem Wert auf eine regionale und ökologische Produktion. Aus diesem Grund werden sämtliche Produkte in Deutschland handgefertigt.

Freitag

Das 1993 von den Brüdern Markus und Daniel Freitag gegründete Taschenlabel Freitag hat inzwischen Kultstatus erlangt. Denn die beiden gelernten Grafikdesigner haben Upcycling in Westeuropa salonfähig gemacht: aus ausgedienten LKW-Planen stellen sie robuste Taschen her. Die widerstandsfähigen, wetterfesten Messenger Bags wurden recht schnell von der Fahrradkurier-Szene entdeckt und erlangten große Popularität. Das Besondere: Kein Modell gleich dem anderen, jede Tasche ist ein echtes Unikat. Inzwischen gibt es zahlreiche (Unisex-)Modelle in sämtlichen Größen, ausgestattet mit unterschiedlichsten Funktionen – Laptoptaschen, Geldbörsen, Rucksäcke, Reisetaschen. Zudem hat Freitag vor einigen Jahren das hauseigene Material F-abric entwickelt – ein innovativer Stoff, der aus Hanf, Modal und Bastfasern besteht, biologisch abbaubar ist und eine hervorragende Ökobilanz vorweist. Einmal Visionär, immer Visionär.

Lellor

Seit 2015 fertigt die Hamburger Designerin Isabel Liebmann unter dem Namen Lellor schlichte, zeitlos schöne Ledertaschen, die jede Menge Stauraum bieten. Die handgemachten Taschen sind entweder als klassische Schultertasche, als Crossbody-Tasche (die quer über die Schulter getragen werden kann) oder als Bucket Bag, im Beutelformat erhältlich. Dabei reicht die Farbpalette von Nachtschwarz über Steingrau, bis hin zu Cognac und Rosé. Verarbeitet wird pflanzlich und chromfrei gegerbtes Leder sowie mit dem Blauen Engel (mehr dazu in unserem Siegel-Guide) zertifiziertes, mineralgegerbtes Leder aus Deutschland und Schweden. Die formschönen Taschen sind in Glatt-, Nubuk- oder genarbter Lederoptik erhältlich. Und wie immer bei Lederprodukten gilt auch hier: Je mehr Patina die Taschen erhalten, desto schöner werden sie.

Matt & Nat

Das kanadische Label Matt & Nat setzt seit seiner Firmengründung 1995 ausschließlich auf die Herstellung von Taschen und Accessoires, die frei von tierischen Bestandteilen sind. Denn Firmengründer Inder Bet ist davon überzeugt, dass jedes Lebewesen mit Würde und Respekt behandelt werden sollte und dass es vegane Alternativen zu Leder gibt. Deshalb werden mit jeder Kollektion neue Materialen erforscht und eingesetzt. Das Innenfutter der Taschen etwa besteht aus recyceltem PET und auch Recyclingmaterialien wie Nylon, Gummi, Pappe und Kork werden in den Kollektionen verwendet. Neben einer umfangreichen Taschenauswahl bietet das Label seit einiger Zeit auch vegane Schuhe (weitere Inspirationen gibt’s in unserem Schuh-Guide) für Frauen und Männer an. Der Firmenname setzt sich übrigens aus den Worten „Mat(t)erial“ und „Nature“ zusammen. Zu beziehen sind die Taschen des kanadischen Labels unter anderem über den nachhaltigen Onlineshop avocadostore.de.

O My Bag

Das niederländische Label O My Bag fertigt Taschen und Accessoires aus pflanzlich gegerbtem Leder und verzichtet ganz bewusst auf chemische Chemikalien wie Chrom. Dadurch wird das Leder biologisch abbaubar. Verarbeitet werden Kuhfelle aus der Fleischindustrie in Indien und Italien, die sonst in den Abfall wandern würden. „O my Bag“-Gründerin Paulien Wesselink ist fest davon überzeugt, „dass die Verwendung von pflanzlich gegerbtem Leder derzeit die nachhaltigste Möglichkeit ist, Taschen zu produzieren, die Sie lebenslang verwenden können“. Ziel des Labels ist es, Taschen zu produzieren, die nicht nur gut aussehen, sondern die auch einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben. Die Canvas-Kollektion besteht aus GOTS-zertifizierter Biobaumwolle (mehr dazu in unserem Glossar der Ökomode). Zudem werden während des Färbeprozesses keine Schwerchemikalien verwendet. Die Verpackungen bestehen aus recycelten Materialien und sind vom Forest Stewardship Council zertifiziert. Zudem arbeitet das Unternehmen mit dem Verpackungsservice RePack zusammen. Die Produkte werden dabei in wiederverwendbaren Verpackungen verschickt. Wer das Päckchen zurückschickt, bekommt zehn Prozent Rabatt auf die nächste Bestellung bei allen Unternehmen, die RePack einsetzen.

Qwstion

Und noch ein Unternehmen, das auf die Verwendung natürlicher Materialien setzt: Das 2008 gegründete Schweizer Taschenlabel Qwstion kreiert Unisex-Taschen und -Accessoires aus vegetabil gegerbtem Leder, Biobaumwolle, recycelter Baumwolle und Leinen. Die Marke verbindet Handwerkskunst und modernes Design mit hochwertigen Rohstoffen. Der besondere Clou an den Taschen jedoch ist, dass sie nicht nur nachhaltig, robust und langlebig konzipiert sind, sondern auch multifunktional – jede Tasche ist eine Art Verwandlungskünstler und bietet mehrfache Trageoptionen. So lässt sich die Aktentasche im Nu in einen Rucksack verwandeln und umgekehrt wird der Rucksack auf Wunsch zur handlichen Tragetasche. Entworfen und entwickelt werden die Taschen in Zürich, während die Herstellung in Europa und China erfolgt. Der wichtigste Partner ist eine kleine Manufaktur in der Stadt Huizhou, mit der eine langjährige Partnerschaft besteht und die von der Business Social Compliance Initiative (BSCI) geprüft ist. Gut zu wissen: Der Taschen-Spezialist hat sein Sortiment inzwischen um formschöne, hochfunktionale Parkas ergänzt.

Tipp: Weitere ökofaire Labels, die teilweise auch Taschen herstellen, gibt es in unserem Guide für nachhaltige Schuhe.