Faire und ökologische Materialien

Vegetabil gegerbtes Leder, Braunalge, Econyl – wer sich mit Ökomode auseinandersetzt, will oftmals auch wissen, aus welchen Materialien die Kleidung besteht. In unserem Glossar erklären wir die gängigsten Materialien, die in fairer und ökologischer Mode eingesetzt werden.

Alpaka

Von den Peruanern wird Alpaka als das „Vlies der Götter“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um die feine und wärmende Unterwolle des Alpakas, eines Kamels, das in den südamerikanischen Anden zu Hause ist. Die Tiere werden nur jedes zweite Jahr geschoren. Die feine Alpakafaser ist nicht nur weich, glänzend und ein wenig gekräuselt, sondern auch strapazierfähiger und fünfmal wärmer als Schafwolle. Da sie kein Lanolin enthält, eignet sie sich auch für Allergiker. Ungefärbte Alpakawolle ist weiß, braun oder von einem tiefen Schwarz. Es gibt zwei Arten von Alpakas. Das „Huacaya“ steht für weiche, dichte und gleichmäßig gekräuselte Fasern, die Schafwollfasern ähnlich sind, während die Wolle des „Suri“ seidig und sehr dünn ist.

Bambus

Ein vietnamesisches Sprichwort sagt: „Der Bambus ist mein Bruder.“ Er wächst schnell, kommt ohne Pestizide und Düngemittel aus, ist sehr stabil und vielseitig einsetzbar – auch bei der Herstellung von Textilien. Wobei Bambusfasern eigentlich zu kurz sind, um versponnen zu werden. Daher werden sie zunächst verkocht. Aus der gelösten Zellulose werden dann Viskosefasern gewonnen. Das sehr leichte und weiche Material ist schnelltrocknend, antibakteriell, atmungsaktiv, geruchsneutral und absorbiert sogar den körpereigenen Geruch. Die kühlende Wirkung im Sommer ist genauso angenehm wie die wärmende im Winter.

Bio-Baumwolle

Meist spürt man es gleich: Biobaumwolle hat einen viel weicheren Griff als die konventionell hergestellte Naturfaser, vor allem wenn auch bei der Weiterverarbeitung strenge Richtlinien eingehalten werden. Die Baumwolle wird nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus erzeugt. Dabei ist der Einsatz von giftigen und nicht abbaubaren chemischen Düngern und Pflanzenschutzmitteln sowie von gentechnisch veränderten Organismen verboten. In Westafrika werden etwa Sonnenblumen rund um die Baumwollfelder angebaut, denn die gleichzeitige Aussaat anderer Pflanzen hilft auch gegen Schädlinge. Anbauer und Konsumenten freuen sich beide über Biobaumwolle, denn sie kommen dabei nicht mehr in Kontakt mit gesundheitsschädlichen Stoffen.

Bio-Leinen

Leinen hat an sich schon einen guten Ruf in der nachhaltigen Mode. Denn im Unterschied zu Baumwolle ist bei seiner Herstellung der Chemikalieneinsatz nur gering. Für Bio-Leinen stammen die verarbeiteten Flachsfasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) und kommen ohne schädigende Stoffe aus. Bio-Leinen hat einen charakteristischen natürlichen Glanz und wirkt angenehm feuchtigkeitsregulierend. Das umweltschonendste Gewinnungsverfahren für den Rohstoff ist die Tauröste – ein Prozess, der so natürlich ist, wie er klingt. Dabei bleibt das Flachsstroh nach der Ernte zunächst für mehrere Wochen auf den Feldern liegen. Der Morgentau begünstigt das Wachstum von Bakterien und Pilzen, die Pektine in die Faser abbauen und sie so leichter verarbeitungsfähig machen. Nachhaltig: Währenddessen gelangen die Nährstoffe aus dem Flachsstroh teilweise wieder in den Boden zurück.

Bio-Wolle

Ob mit Bio-Siegel oder ohne – wenn nicht weiter definiert, steht Wolle für Schafwolle. Sie hat Vorzüge, die seit Jahrtausenden überzeugen: Lufteinschlüsse zwischen den Fasern sorgen dafür, dass das Material sehr warm hält. Anders als herkömmliche Wolle stammt Bio-Wolle jedoch aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT), also von Tieren, die artgerecht und im Einklang mit der Natur gehalten werden. Noch besser ist ein zusätzliches GOTS-Zertifikat. Das Tragen weicher Wollkleidung wird als sehr angenehm empfunden. Wollhaare sind Eiweißfasern und bestehen aus Keratin, wie die äußersten Schichten menschlicher Haut.

Braunalge

Im Meer wartet viel Gutes auf uns. Darunter unzählige Algenarten. Algen nehmen die Mineralien des Meerwassers in sich auf und enthalten verschiedenste Spurenelemente, Fette und Vitamine. Textilien, die beispielsweise auf der Basis von isländischen Braunalgen hergestellt sind, sollen diese Nährstoffe sogar abgeben, eine antibakterielle Wirkung haben und für viele Allergiker und Menschen mit Neurodermitis verträglich sein. Geerntet werden die Blätter der Braunalge umweltschonend in den nahezu unberührten Fjorden Islands, und das nur alle vier Jahre. So bleibt der Alge genug Zeit, sich zu regenerieren. Die Blätter werden in einem natürlichen Verfahren getrocknet, zerkleinert und gemahlen und schließlich mit Zellulose zu einer weichen robusten Faser versponnen.

Econyl

Herrenlose und ausgediente Fischernetze, früherer Teppichflor und Garnausschuss sind die Grundlage für Econyl, eine recycelte Faser auf Nylonbasis. Taucher verschiedener Organisationen sammeln dafür weltweit ausgediente Fischernetze ein, etwa in Belgien, den Niederlanden, Italien, Griechenland, Kroatien, auf den Philippinen und in Kamerun. So werden Meer und Strand entlastet, gleichzeitig erhalten die Fischer ein zusätzliches Einkommen. Aus dem Garn, das bei der Weiterverarbeitung entsteht, werden Teppiche, Badekleidung und Strumpfhosen gefertigt. So bekommt der Begriff Netzstrumpfhose eine umweltfreundliche Bedeutung.

GOTS-Zertifikat

Woher weiß ich, ob meine neue Bluse wirklich nachhaltig produziert und aus Bio-Materialien hergestellt ist? Um sich im Dschungel der Biotextilien zurechtzufinden, hilft das GOTS-Zertifikat. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist ein weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern. Er definiert umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und gleichzeitig die einzuhaltenden Sozialkriterien, wie faire Arbeitsbedingungen und das Verbot von Kinderarbeit. Der Standard deckt Herstellung, Konfektion, Verpackung, Kennzeichnung, Handel und Vertrieb aller Textilien ab. Voraussetzung für die Zertifizierung ist, dass die Produkte zu mindestens 70 Prozent aus kontrolliert biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Eine Übersicht weiterer Siegel und Zertifizierungen gibt es in unserem Guide.

Hanffasern

In der nachhaltigen Mode ist der mit dem Flachs verwandte Hanf aus vielen Gründen sehr beliebt: Beim Tragen schützen Hanfstoffe vor UV-Strahlen und fühlen sich auf der Haut sehr angenehm an, im Anbau zeigt sich die schnell wachsende Pflanze unempfindlich gegen Unkraut, Insektenbefall und Pilzkrankheiten und gedeiht ohne den Einsatz von Chemikalien. Daher gilt sie als eine der umweltverträglichsten Fasern überhaupt. Wegen ihrer Strapazierfähigkeit können Hanffasern zu dicken Seilen, aber auch zu sehr feinen und weichen Stoffen verarbeitet werden.

Mohairwolle

Mohairwolle stammt von der Angoraziege, dabei ist das Haar leichter und feiner, je jünger die Ziege bei der Schur ist. Die Wolle ist weich, geschmeidig, strapazierfähig, knittert und filzt kaum und hält sehr warm. In Hinblick auf Nachhaltigkeit sollte man darauf achten, dass die Wolle nicht von Tieren stammt, die mit der schmerzhaften Mulesing-Methode behandelt wurden, auch wenn die Tiere dadurch vor Krankheiten geschützt werden sollen. Generell sind ausgewogenes Futter, Auslauf und die Vermeidung von Stress wichtig bei der Zucht von Angoraziegen. So wird nicht nur das Wohlergehen der Ziegen gesichert, sondern auch die weichste Wolle gewonnen. Die ebenfalls für ihre besondere Weichheit bekannte Angorawolle stammt übrigens von Angorakaninchen.

Vegetabil gegerbtes Leder

Da Leder zu den verderblichen Materialien zählt, begann man früh, die Tierhäute zu gerben, um sie weicher und haltbarer zu machen. Bei der vegetabilen Gerbung wird der Gerbstoff ausschließlich aus Pflanzen gewonnen, etwa aus Eichen- und Fichtenrinde, Quebrachoholz, Taraschoten, Olivenblättern, Rhabarberwurzeln oder Mimosarinde. Das Leder bleibt nach der Behandlung atmungsaktiv und wird mit der Zeit immer noch schöner. Im Gegensatz dazu fallen bei industriellen Gerbverfahren mit Chrom gesundheitsgefährdende und umweltschädliche Stoffe an.

Wildseide

Wer mit gutem Gewissen Seide tragen möchte, sollte auf Wildseide zurückgreifen – wie die Tussahseide, die vom wild lebenden Eichenseidenspinner stammt. Anders als bei konventioneller Seide, für die die Seidenraupen getötet werden, wird bei der Gewinnung von Wildseide gewartet, bis die Raupe zum Schmetterling geworden ist. Die verlassenen Kokons werden dann eingesammelt und zu Wildseide weiterverarbeitet. Im Vergleich zur Zuchtseide ist Wildseide etwas gröber und weist kleine Unregelmäßigkeiten auf. Auch das trägt zu ihrem Charme bei.