Ein guter Boden: Gründüngung und Pflanzenauswahl

Gründüngung & Pflanzenauswahl: Tipps für einen guten Boden

Christoph Poss arbeitet im Weleda Heilpfanzengarten in Schwäbisch Gmünd, einem der größten biodynamisch bewirtschafteten Gärten Europas. Hier teilt er sein Wissen über Gründüngung und Pflanzenauswahl.

Wenn wir den Boden bewirtschaften, greifen wir jedes Mal in ein empfindliches Ökosystem ein – obwohl wir streng nach biologisch-dynamischen Anbaumethoden arbeiten. Was wir tun, machen wir möglichst schonend und versuchen damit, den Boden dabei zu unterstützen, seine Fruchtbarkeit zu erhalten oder sogar zu erhöhen.Eine sommerliche Wiese mit lilafarbenen Blüten

Welche verschiedenen Kulturen bauen wir nacheinander auf einer Fläche an? Darüber machen wir uns viele Gedanken: Schließlich soll jede von ihnen gut gedeihen, unter den besten Bedingungen. Säen wir etwa als erstes Hafer, der relativ früh und noch unreif geerntet wird, überlegen wir, welche Pflanzen anschließend sinnvoll wären. Etwa eine Blühmischung mit Phacelia, mit ihren blauen und duftenden Blüten der Liebling der Bienen und Hummeln.

Die Gründüngung ist auch bei uns Gärtnern beliebt, weil sie nicht eng mit anderen Kulturpflanzen verwandt ist und deshalb problemlos in jede Fruchtfolge eingegliedert werden kann. Im Boden sorgt sie mit ihren dichten Wurzeln für eine krümelige Struktur.

Welche Pflanzen passen zueinander?

Welche Ansprüche haben die Kulturen an den Boden, und welchen Einfluss nehmen sie auf ihn? Vor allem aber auch: Wie verhalten sie sich zueinander? Vertragen sich Bittersüßer Nachtschatten und Eselsdistel? Längst nicht alle Pflanzenarten kommen miteinander klar, etwa weil sie unterschiedliche Ansprüche an den Boden haben. Dann halten wir Anbaupausen innerhalb der gleichen Pflanzenfamilie ein und bauen stattdessen andere an.

Eine Schubkarre steht in einem sommerlichen Garten

Ein Beispiel: Die Calendula oder das Johanniskraut können nur eine begrenzte Zeit auf der gleichen Fläche stehen. Um zu wachsen und reich zu blühen, verbrauchen sie die vorhandenen Nährstoffe, tragen mit ihren Wurzelausscheidungen dazu bei, dass der Boden „ermüdet“. Das Signal dazu kommt von der Pflanze selbst: Wir können sehen, wie sie im Ertrag zurückgeht, etwa weniger Knospen und Blüten ausbildet. Dann ist es Zeit, eine andere Kultur anzulegen.

Die Gründüngung als wertvoller Helfer

Manchmal säen oder pflanzen wir direkt nach der Ernte der einen Kultur die nächste. Geschieht das nicht, ist der Boden einige Zeit nicht bedeckt: Jetzt haben Buchweizen, Bienenweide und Perserklee ihren großen Auftritt. Gründüngungen sind wertvolle Helfer im biologisch-dynamischen Garten. Als Zwischenfrucht überbrücken sie die Zeit, die zwischen zwei Kulturen liegt. Während sie auf den Feldern stehen, nehmen sie die Energie der Sonne auf und wandeln diese in wertvolle Nahrung für die Bodenlebewesen und die nachfolgende Kultur um. Deswegen der Name Gründüngung.

Die meisten Gründüngerpflanzen keimen innerhalb kurzer Zeit, bedecken den Boden schnell und schützen ihn vor Sonne, Wind und starkem Regen. Die Nährstoffe werden nicht ausgewaschen, und das zusätzliche Durchwurzeln verbessert die Struktur des Bodens. Er wird lockerer und luftiger. Krankheiten wie etwa Mehltau, der manchmal Pflanzen wie Calendula das Gedeihen schwer macht, übertragen sich nicht mehr so leicht.

Und natürlich profitieren Bienen, Hummeln und Taubenschwänzchen, Vögel und viele andere Tiere, wenn wir eine artenreiche Blühmischung als Gründüngung säen! Bevor die nächste Kultur auf das Feld kommt, arbeiten wir die gesamte Pflanzenmasse des grünen Düngers leicht in den Boden ein und sorgen so dafür, dass die wertvolle Humusschicht weiter wachsen kann.

Die Weleda Gärten erleben

Acht Gärten betreibt die Weleda auf der ganzen Welt. Alles geschieht in einer unendlichen Vielfalt, zauberhaft, getragen von den Rhythmen der Natur. Ob zum Open Day inmitten der englischen Grafschaft Derbyshire oder zum Herbstfest „Laub und Leute“ im Weleda Erlebniszentrum in Schwäbisch Gmünd: Besucher sind eingeladen, den Zauber der Weleda Gärten einmal selbst zu erleben.