Meer

Im Land der Hippies

Portugal war einst das Land der Auswanderer und Träumer. Was ist aus den Kindern der Hippies geworden?

Foto und Protokoll Barbara von Woellwarth

Hippies

Portugal, wellenumtostes Land am südwestlichsten Rand Europas. Mit großer Sehnsucht nach einem anderen Leben trafen dort im Laufe der 70er- und 80er-Jahre immer mehr junge Leute ein, am liebsten an der westlichen Algarve. In den weiten Hügeln, die sich im Frühling in ein Blütenmeer verwandeln und sich im Sommer karg und trocken bis zum Meer erstrecken. Überhaupt, das Meer und die vielen Sonnenstunden!

Verspielte Hippies, suchende Künstler und Landwirte mit ernsthaften Ambitionen kauften Land, bauten Hütten und Häuser, pflanzten Gärten und gründeten Familien. Ihre Kinder wuchsen in der Natur auf. Behütet wurden sie nicht allein von den Eltern, sondern auch von freundlichen Portugiesen, die das merkwürdige Treiben dieser Ausländer kopfschüttelnd beobachteten. Heute sind diese Kinder längst erwachsen, und kein Einheimischer wundert sich mehr über die vielen Nationalitäten im Land. Verbunden sind sie durch die Liebe zur Natur und eine große Toleranz gegenüber allem Fremden.

Sadies Eltern reisten 1985 von England in einem ausgebauten Laster quer durch Europa auf der Suche nach dem guten Wetter und Leben. Portugal war Liebe auf den ersten Blick.

Sadie Hippie

„Ich bleibe nicht länger als sechs Monate an einem Ort“, erzählt Sadie, die gerade mal wieder im Wohnwagen bei ihren Eltern wohnt, ganz oben am Hang des hügeligen Grundstücks mit eigener Quelle, in Barão de São João. Mitten in der Sonne. Warum diese Reiselust? Als Kind saß sie oft mit den Freunden der Eltern zusammen und hörte genau zu. Einer erzählte von Indien und den vielen Farben dort. Ein anderer von Deutschland und den großen Wäldern. Sie dachte: „Wow, ich bleib hier nicht sitzen, ich ziehe los und will das alles sehen.“ Als gelernte Köchin findet sie überall Arbeit. Ist immer wieder durch die Welt gereist: durch ganz Europa, nach Indonesien, Sri Lanka, Panama, Kanada, England und hat auch in den französischen Alpen gekocht.

Aber sie kommt immer wieder: „Nach Hause fahren ist wie Ferien und Party für mich.“

Als Teenager war Sadie eine Weile genervt vom Hippie-Dasein. „Aber bei meinem Bruder war das viel schlimmer. Der wollte nicht immer so dreckig in die Schule gehen. Er hat sich dann zu Hause Plastiktüten über die Kleidung gestülpt und mit Gummibändern fixiert, damit er mit sauberen Klamotten auf der Schulbank sitzen konnte.“ Sadie hingegen liebte die Schule. „Alle Kinder waren verschieden: Brasilianer, Roma und Sinti, Engländer, Deutsche, Norweger, Holländer und natürlich Portugiesen.“ Und es gab so viel Zeit zum Spielen, sie bauten zum Beispiel Dämme, gruben Löcher, die mit Wasser vollliefen, und hatten so einen Pool. Sadie strahlt: „Hoffentlich kann ich meine Kinder genauso aufwachsen lassen, wie meine Eltern das taten.“

Es gab zu wenig Licht und Weite für ihre Kinder, ihre Pflanzen und sich selbst in der Biogärtnerei im Tessin. So kam die Mutter von Fania und ­Zaira 1992 an die Algarve. Ihren grünen Daumen hat sie an Zaira vererbt.

Zara Hippie Tochter

Wenn man hier aufwächst, will man irgendwann einfach nur weg“, erzählt Zaira, die unmittelbar nach dem Abitur aus Portugal in die Welt wollte. „Ich habe mich eine Zeit lang in der Schweiz und in Deutschland mit den verschiedensten Jobs ausprobiert, um dann zu merken, wie sehr ich Portugal vermisse. Erst aus der Ferne konnte ich die Qualitäten der Heimat meiner Kindheit erkennen. Als ich dann endlich wieder hier war, hab ich innerhalb von zwei Wochen meinen Gustavo kennengelernt. Jetzt haben wir ein Töchterchen, Jamila. Und seit ihrer Geburt stelle ich mir nicht mehr die Frage nach dem Sinn. Jamila wächst hier auf. So wie wir.“

„Unsere Kindheit war traumhaft.“ Fania ist sich absolut sicher. „Eine rosarote Wolke hat uns umgeben!“ Eine Kindheit auf Pferderücken ohne Sattel. „Na ja, die Schule war nicht so lustig“, meint Zaira. „Wir waren so anders angezogen und hatten Gemüse in der Vesperdose, was unsere portugiesischen Mitschüler einfach nicht kannten. Für die waren alle Ausländer, die auf dem Land wohnten, Hippies. Auch das hat uns wohl veranlasst, hier auszubrechen.“ Fania machte schon mit 18 eine Ausbildung in der Schweiz und sehnte sich bald nach der portugiesischen Einstellung zurück. „Die Menschen hier sind ehrlich und warmherzig. Ich versuche mir ihre Gelassenheit abzugucken. Sie sind sehr entspannt, lassen die Dinge geschehen.“

Die beiden Schwestern kümmern sich zusammen mit ihrer Mutter um das Land, das Haus und die Gäste von Casa d’Ouro, dem goldenen Haus. Es wirkt wie ein gepflegtes Arkadien und wurde viele Jahre von einer britischen Harfenistin bewohnt, bevor es Teresa vor 20 Jahren entdeckte.

2 comments on “Im Land der Hippies

  1. Hugo Brenzikofer

    Ich bin Schweizer und bin zweiundsechzig Jahre altIch habe zwei Pflege und einen Wagen.. 😊 Bin in
    Sagres, am eusersten Zipfel von portugal.. 😊

  2. Das muss ich mir aufjedenfall anschauen

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