„Ich mag diesen Selfmade-Lebensstil“

Kirsten Bradley lebt und arbeitet auf Australiens ältesten Permakultur-Hof Melliodora. Dort hat sie entdeckt, wie klug die Natur ist und dass Veränderungen ihre Zeit brauchen.

 

Werde Magazin - Kirsten Bradley

 

Warum nehmen Sie diese Arbeit auf sich?
Wir haben dieses Leben gewählt, weil wir einfach leben wollten, und
zwar auf eine Art und Weise, die nicht die Welt kostet. Wir haben alles, was wir brauchen: gutes Essen, wunderbare Freunde, eine gute  Gemeinschaft, heiße Duschen, warme Betten – all das muss nicht
teuer sein.

Was inspiriert Sie?
Die Natur! Ihre Komplexität und wie klug sie gestaltet ist! Mich fasziniert, was für elegante Lösungen die Natur für so vieles findet. Außerdem inspiriert mich der Einfallsreichtum von Menschen, denen es gelingt, enorme Veränderungen zu bewirken und alle möglichen Ideen umzusetzen.

Was würden Sie gerne teilen?
Wer sich für Permakultur interessiert, sollte nicht denken, er müsse alle Fertigkeiten und Techniken auf einmal erlernen. Man kann diesen „Selfmade-Lebensstil“ mit ganz kleinen Schritten erproben. Vielleicht hilft es, nur mit einer einzigen neuen Idee zu beginnen, etwa zu lernen, Brot zu backen oder Joghurt zu machen. Denn natürlich braucht es Zeit, sich etwas Neues anzueignen und auch Gewohnheiten zu verändern.

 


Der Permakultur-Hof Melliodora

Melliodora ist die älteste Permakultur Musterfarm in Australien, gelegen im südlichen Bundesstaat Victoria.  Melliodora, benannt nach einer blassgelb blühenden Eukalyptusart hinterm Haus, ist eine knapp einen Hektar große Farm in Hepburn Springs, gut eineinhalb Stunden nordwestlich von Melbourne in Victorias sogenanntem Spa Country. Rund um Hepburn und das benachbarte Daylesford sprudeln mehr als 70 Mineral- und Heilquellen. Vor 35 Jahren kaufte Australiens Permakultur- „Erfinder“ David Holmgren hier ein Stück Land, um seine eigenen Theorien zu verwirklichen. 1978 hatte Holmgren mit Bill Mollison „Permaculture One“ veröffentlicht, ein Werk, das zu einer Art Bibel wurde für Lebens- und Anbauweisen, die naturnahen Kreisläufen folgen.

Werde Magazin - Melliodora

 

Viele der Ideen werden seither auch im urbanen Umfeld und sozialen Miteinander gelebt. Mit seiner Partnerin Su Dennett und vielen Helfern verwandelte Holmgren den von wilden Brombeeren überwucherten Hang zum lebendigen Beweis für die Gültigkeit seiner Theorie: Das Zusammenwirken von Menschen, Tieren und Pflanzen lässt sich so kombinieren, dass sie dauerhaft funktionieren und die Bedürfnisse aller so weit wie möglich erfüllen. Das Paar Nick und Kirsten bewohnen und bewirtschaften den Hof und haben eine Marke mit dem Namen Milkwood erfunden, unter der sie anspruchsvolle Seminare organisieren: zu Pilzzucht oder Permakultur-Design, zu natürlicher Bienenhaltung oder Tomaten, zum Anlegen eines Marktgartens oder zur ganzheitlichen Entscheidungsfindung.
Zugleich geben sie ihr Wissen auf einer Internetseite weiter, dazu in sozialen Medien wie Facebook und Instagram – gratis und für jeden zugänglich. „Die Idee ist, so viel wie möglich zu teilen“, erklärt Kirsten. „Real skills for down to earth living“ lautet die Philosophie: echte Fertigkeiten für ein einfaches Leben.

Text (Julica Jungehülsing) Foto (Michael Amendolia)
Kategorien Permakultur