Marteria Green Berlin

Ich habe Lust auf Meere ohne Plastik und auf Winter mit Schnee

Aus Plastik, das Fischer am Hafen von Barcelona sammeln, wird am Ende nachhaltige Mode. Hinter dem Projekt steht Deutschrap-Ikone Marteria, mit bürgerlichem Namen Marten Laciny.

Marteria Green Berlin

Entstanden ist die Kollektion Back2Green mit Windbreaker, Hoodies und Pants aus zertifizierter Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester-Garn. Das Plastik wird gehäckselt, in Granulat umgewandelt und in einer nachhaltigen Textilfabrik zu Garn gesponnen und zu Stoff gewoben.

Marteria, warum ist es dir ein Anliegen, Kleidung aus recyceltem Plastik aus dem Meer herzustellen?
Marten Laciny Mich bewegt und motiviert mein Umfeld, meine Umwelt und die Welt sehr in der ich lebe. Sich da in irgendeiner Weise zu engagieren und bewusst zu verhalten, muss eigentlich ganz normal sein. Ich habe Lust auf Meere ohne Plastik und Winter mit Schnee, allein diese beiden gefühlt ganz normale Wünsche erfordern, dass ich mich engagiere und überlege was ich jetzt tun kann und wie ich konsumiere.

Wieso dieses Material?
Chris Otto Polyester, aus dem ja zum Beispiel die meisten Windbreaker bestehen, ist ja im Prinzip Plastik. Jeder Windbreaker, der aus nicht-recyceltem Polyester besteht, ist am Ende auch wieder Plastikmüll, dass für hunderte Jahre auf diesem Planeten bleibt. Dementsprechend macht genau diese Eigenschaft das Material so besonders. In dem wir PET recyceln bleibt es im Zyklus, wir benutzen wieder, was schon weggeworfen wurde und muss kein neues Plastik für Klamotten produzieren.

Marteria Green Berlin

„Da fragt man sich natürlich, welche man Rolle man spielen kann und welchen Teil man leisten kann, um die Welt ein kleines bisschen besser zu hinterlassen als man sie vorgefunden hat.“

Was treibt dich persönlich an?
Marten Laciny Natürlich ist es mir als Elternteil nochmal ein größeres Anliegen eine nachhaltige Zukunft zu schaffen. In der Zeit in der ich noch auf dieser Welt bin, wird die Welt ziemlich sicher nicht untergehen. Aber es sind Prozesse, die Generationen nach uns betreffen werden und wir sind mit dafür verantwortlich. Da fragt man sich natürlich, welche man Rolle man spielen kann und welchen Teil man leisten kann, um die Welt ein kleines bisschen besser zu hinterlassen als man sie vorgefunden hat.

Wie war der Start?
Chris Otto  Die Idee für die Kollektion ist vor circa zwei Jahren entstanden. Wir haben immer wieder überlegt, was man mit Green Berlin über ein Reines Künstlerkollektive hinaus noch alles machen kann. Über die Musik von Marteria, Marsimoto, Chefket, Nobody’s Face, Dead Rabbit, Kid Simius und Pete Boateng kennen die Leute Green Berlin und nehmen den Output als cool und kreativ wahr. Zudem ist ja auch schon der Name Green Berlin an sich ein absolutes Statement. Als wir abseits des Merchandise angefangen haben, über eine eigene Klamottenmarke nachzudenken, war schnell klar, dass die Welt nicht noch einen Brand braucht, bei der nur ein Logo auf einen Hoodie gedruckt wird. Wir wollten was Neues und Innovatives machen und schauen was alles im Textilbereich möglich ist. Da Nachhaltigkeit bei uns schon seit langem ein Thema ist, war das Arbeiten mit recyceltem Plastik und nachhaltigen Stoffen sehr schnell eine extrem spannende Herausforderung.

Marten Laciny Mit Recycling und nachhaltigen Produkten war Back2Green als Titel für die Kollektion schnell klar. Das war schon ein Song von Marsimoto auf dem Album „Ring der Nebelungen“ und beschreibt die Kollektion perfekt.

Marteria Green Berlin

Wie sehr seid ihr an den kreativen Entwürfen beteiligt; von der Idee über die Zeichnung bis hin zum fertigen Kleidungsstück?
Chris Otto Grundsätzlich kann man sagen, dass die größte Herausforderung der Aspekt der Nachhaltigkeit selbst war. Wir haben ja noch nie selbst Mode gemacht. Wir haben aber von unseren Produktionspartnern immer wieder gehört, dass man in Asien gewünschte Designs aus neuem Polyester schnell, easy und kostengünstig herstellen lassen kann. Wenn es aber nachhaltig und aus recyceltem Polyester sein soll, wird es ganz schnell schwierig. Die Produktion ist dann deutlich teurer, dauert länger und ist immer wieder auch für alle Neuland. Da muss man dann schon sehr kreativ werden, damit beispielsweise ein Windbreaker dann nicht 500 Euro im Laden kostet und trotzdem so aussieht wie wir uns das vorstellen.

„Vielleicht ist ja für den einen oder anderen dann auch der erste Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.“

Musik und Mode – wie geht das zusammen?
Marten Laciny  Den typischen Green Berlin Konsumenten gibt es (hoffentlich) nicht. Wahrscheinlich ist der Großteil der Leute anfangs alle, die uns aktuell kennen und über die Musik der einzelnen Green Berlin Künstler gekommen und geblieben sind. Wahrscheinlich mag er oder sie auch guten Hip-Hop. Zukünftig sollen das aber grundsätzlich Leute sein, die auf stylische Streetwear stehen und diese mit einem guten Gewissen tragen möchten. Vielleicht ist ja für den einen oder anderen dann auch der erste Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit.

Wo wird eure Mode hergestellt?
Chris Otto  Wir beziehen die Garne aus Spanien und lassen in der Türkei produzieren, weil es dort möglich ist. Der Zertifizierungsprozess von Gots als auch der von Seaqual sind ja sehr aufwendig und unsere Partner können es zum einen technisch umsetzen die Stoffe aus recyceltem Plastikmüll herzustellen und haben zum anderen die nötigen Zertifizierungen. Das Ganze ist tatsächlich sehr komplex und die Umsetzung unserer Wünsche wäre mit einer deutschen Lieferkette nicht möglich gewesen. Die Initiative Seaqual hingegen verlangt, dass jeder einzelne Produzent in der Lieferkette wiederum ihren Standards entspricht und das war unseren Produzenten auch möglich, weil sie in exakt dieser Lieferkette schon miteinander und mit Seaqual arbeiten.

Eure Kollektion ist Gots-zertifiziert. Wie wichtig ist diese Zertifizierung und welche Bedeutung hat sie im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit?
Chris Otto  Der Global Organic Textile Standard ist eines der wichtigsten Zertifikate, weil es eine umfassende Richtlinie für ökologische und sozial verantwortliche Textilproduktion ist. Er stellt sicher, dass nicht nur die Produktion der Sachen ökologisch und nachhaltig ist, sondern auch die Arbeitsbedingungen fair sind. Umso mehr freuen wir uns, dass Back2Green dieses Siegel trägt.

Marteria Green Berlin

„Ich produziere auch Plastikmüll und sitze auch immer wieder im Flugzeug. Aber es geht für mich darum, in meinem direkten Umfeld immer wieder mein Bestes zu geben.“

Wie wichtig ist dir persönlich Nachhaltigkeit?
Marten Laciny  Privat bin ich ein ganz normaler Mensch, der versucht so nachhaltig wie möglich zu leben. In manchen Aspekten klappt das auch schon ganz gut. An anderen arbeite ich noch. Ich produziere auch Plastikmüll und sitze auch immer wieder im Flugzeug. Aber es geht für mich darum, in meinem direkten Umfeld immer wieder mein Bestes zu geben und so viel möglich unverpackt zu kaufen sowie zu schauen, dass man faires Obst und Gemüse aus der Region bezieht und viele andere Angewohnheiten bewusster zu entscheiden. Beruflich mache ich gerade eine nachhaltige Green Berlin Mode-Kollektion (lacht). Aber im Ernst, das ist was ich umsetzen kann. Ich erreiche über meine Musik viele Menschen und diese Reichweite nutze ich um den Leuten Nachhaltigkeit etwas näher zu bringen; und das mit coolen Klamotten.

Was habt ihr weiter vor? Welche Projekte sind geplant?
Marten Laciny  2020 steht bei uns allen im Zeichen von Green Berlin. Nach all der Arbeit, die wir in dieses Projekt gesteckt haben, soll das was wir Aufgebaut haben, jetzt auch in Bewegung kommen und idealerweise immer mehr Leute positiv beeinflussen und motivieren. Wir hoffen, dass der Start der Kollektion ein Erfolg wird und Green Berlin, ob Mode oder Musik, weiter an Bekanntheit gewinnt.

Chris Otto  Gegen Modemessen hätten wir natürlich in Zukunft auch nichts. Da wir zum einen keine klassische Modemarke sind und zum anderen keine Fast Fashion machen, wollten wir die Kollektion zeitlich nicht an die herkömmlichen saisonalen Modezyklen anpassen. Wir haben einfach irgendwann angefangen, so schnell gearbeitet wie wir konnten und jetzt sind die Sachen fertig.

Zur Person
Marten Laciny, besser bekannte als Marteria, ist ein bekannter Rapper und  Co-Gründer des Musiklabels Green Berlin
Chris Otto ist der Labelmanager. Mit mit Back2Green haben die Musikmacher ein nachhaltiges und faires Modelabel etabliert.