Garten

Wie man mit dem Gärtnern beginnt

Säen, pflegen und ernten macht glücklich.  Wer Gemüse selbst anbauen möchte, braucht eine gute Vorbereitung. So einfach ist das eigene Gartenglück

Text: Ralf Lilienthal Illustration: Alina Günter

Am Anfang steht das Land. Ein mehr oder weniger großes rechteckiges Areal, umgrenzt von Hecken, Zäunen, Spalieren und anderen „Raumteilern“. Mithilfe von Pflanzschnur und Maßstab eingeteilt in schmale Wege und von beiden Seiten begeh- und bearbeitbare Beete. Dass es streng und formal auch anders geht, zeigen die historischen Klostergärten und Bauerngärten, deren weltliche Ableger.

Oder ganz eigene Gestaltungsformen. Warum nicht verschiedene Gemüse komponieren gleich einem Mondrian-Gemälde? Von schwarzen Linien umzogene Flächen werden im Garten zu verschiedenen Rechtecken, von Wegen begrenzt. Die Flächen bleiben über die Jahre gleich – sie selbst sind die Alternative in der Gestaltung. Die Gemüse sind immer andere.

Oder gleich den Gärten der Beghinen, eine kreisrunde, durch schmale Wege in „Kuchensegmente“ geteilte Anlage, die einen systematischen Fruchtwechsel ebenso erlaubt wie Anbauvielfalt auf engstem Raum. Aber es geht auch ohne Beet. Lollo Rosso und goldgelb leuchtenden Mangold in die Staudenrabatte eingestreut, Schnittlauch als Grasersatz und Rhabarber als Blattschmuckstaude? Das ist schön und gerade in kleineren Gärten eine platzsparende Lösung für Zier- und Nutzgartenfreunde.

 

Gemüse

 

Gemüsegärtnern unter Glas

Frühbeetkästen oder Mistbeete sind eine gute Pflanzenkinderstube. Sie sind zwar keine wirkliche Alternative zum Freilandanbau, erweitern aber die Anbauaktivitäten bis in die kalten Wintermonate hinein. Wie ihr großer Bruder, das Gewächshaus – der Traum jedes leidenschaftlichen Gärtners –, nutzen sie eine Eigenschaft des Lichts aus: Während die Sonnenstrahlen weitgehend ungehindert ins Innere dringen und Boden und Pflanzen erwärmen, wird die reflektierte Wärmestrahlung im geschlossenen, luftisolierten Raum zurückgehalten.

Die in der Regel beetbreiten Frühbeetkästen werden seit Langem für die Aufzucht frostempfindlicher Salate oder Gemüsesorten wie Zucchini genutzt, aber auch als Ernteverfrüher und „Durchlauferhitzer“. Die modernen Plexiglaskästen sind einfach in der Handhabung, leicht und auch mobil einsetzbar – den robusten Charme selbst gebauter Glasfensterkonstruktionen haben sie allerdings nicht.

Während das einfache Frühbeet vom Wohl und Wehe des Sonnenlichts abhängt, macht sich das etwas aus der Mode gekommene Mistbeet die zusätzliche, aufsteigende Wärme des Rotteprozesses zunutze. Dazu schichtet man unter und in den Frühbeetkasten eine Lage Laub (ca. 5 cm), ca. 40 cm leicht abgelagerten, verdichteten Mist (von Rind, Pferd oder Schaf) und schließlich die zu bepflanzende etwa 20 cm starke locker-humose Erdschicht.

Gemüseanbau auf dem „Walrücken“

Während im Mistbeet Rotte und Kompostierung unter die Erde verlegt sind, hat die in China verbreitete Hügelbeetkultur diese Prozesse in durchlüftete Sphären gehoben. Eine bewährte Variante: Auf einer Breite von maximal 1,50 Metern wird in beliebiger Länge eine ca. 25 cm tiefe Grube ausgehoben und im Kern (50 cm breit) mit groben Pflanzenteilen wie Zweigen, Ästen, verholzten Stängeln einen halben Meter hoch aufgeschichtet. Darauf kommen je nach Möglichkeit 15 cm hoch Grasschnitt, Grassoden, Stroh oder frisch geschnittene Gartenabfälle. Darauf wiederum eine ca. 25 cm starke Schicht feuchtes, mit etwas Mutterboden vermengtes Herbstlaub, 5 m Humuserde, 15 cm grobe, wurmreiche Kompostmasse und schließlich 15 cm locker-humose Erde.

Die richtigen Pflanzen

Manche Pflanzen wollen hoch hinaus. Tomaten und Gurken an Stäben und Schnüren, Kletterbohnen an Stangen oder Gerüsten, Erbsen an einem feinmaschigen Drahtgeflecht. Auch hier ist Fantasie gefragt – zumal solche Elemente die sonst eher flache Gestaltungsstruktur des Gemüsegartens bereichern. Dass es im Nutzgarten schon immer auch um Schönheit ging, zeigen die klassischen Bauerngartenblumen – mehrjährige Stauden wie Pfingstrose, Malve, Aster, Margerite und Phlox oder Selbstaussäer wie Calendula, Akelei und Mutterkraut.

Und was machen die, die keinen Garten bewirtschaften können, wohl aber einen Balkon oder eine Dachfläche? Sie gärtnern in Kübeln, Eimern, Kästen und Kisten, natürlich in Blumentöpfen und überhaupt in allem, was ausreichend Erde aufnehmen und zu viel Wasser wieder nach unten abgeben kann!

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