Werde Magazin Sommerflieder

Winterschnitt für Obstbäume und Sträucher

Bevor Frost und Kälte gehen, schneiden wir Bäume und Sträucher rechtzeitig zurück. Und werden für den Winterschnitt im Frühsommer mit einem Blütenmeer belohnt

Text Ralf Lilienthal Illustration Alina Günter

Werde Magazin Baumschnitt

Obstbaum schneiden und formen

Im fünften oder sechsten Pflanzjahr ist sein Aufbau gerade noch zu verstehen. Gleichzeitig wird das Durcheinander von Ästen und Zweigen allmählich undurchschaubar. Was ist zu tun? Auslichten und ins Gleichgewicht bringen von Laub- und Fruchttrieben. Die wichtigste Frage sollte da schon entschieden worden sein: Welche der beiden Kronenformen wähle ich? Hohlkrone wie beim Steinobst oder Leittriebkrone zumeist bei Kernobst? Unser Beispiel ist ein Apfelbaum mit durchgehenden Mitteltrieb und dreigegliedertem Leitastgefüge. Und so geht’s: Bei doppeltem Spitzentrieb wird der schwächere herausgeschnitten. Die jeweils stärksten drei Triebe jedes Stockwerks sollten eine 120-Grad-Stellung zueinander haben. Lange und bogig herabwachsende Triebe werden gekürzt, zu dicht stehende Zweige ausgelichtet. Wassertriebe, also steil aufschießende Zweige werden weggeschnitten. Die allerwichtigste Regel: Bilden Sie allmählich ein intuitives Bild jeder Baumgattung aus – lieber ein natürlich geformter, aber kaum geschnittener Apfelbaum als eine nach allen Regeln der Schnittkunst verstümmelte Obstproduktionsruine.

Rosen dreimal kürzen

Wenn man über die Rose etwas Gärtnerisches sagen kann, dann das: Sie gehört zu den pflegeintensivsten Pflanzen überhaupt. Das gilt für den Schnitt, ideal ist dreimal im Jahr. Während der Vegetationsperiode schneiden wir, um die wildesten „Auswüchse“ einzudämmen. Im Spätherbst hat ein schneller Rückschnitt die gummiartigen, nicht verholzten Triebteile zum Ziel. Für den eigentlichen Winterschnitt ist das Ende der Frostperiode die beste Zeit. Die Grundregeln: Grundsätzlich werden sämtliche Schnitte etwa 1–2 cm oberhalb der Knospen oder Augenringe gemacht, wie bei allen Pflanzen mit markhaltigen Stängeln. Zuerst lichtet man aus: Quertreiber und zu eng stehende Triebe werden bodennah weggeschnitten. Danach gilt für Beet- und Edelrosen: Kräftige Triebe werden auf 5–7 Knospen oder Augen zurückgeschnitten, dünnere Triebe werden auf 2–3 Knospen gekürzt. Darauf achten, dass die oberste verbleibende Knospe nach außen zeigt. Bodendeckerrosen kann man blind (und sehr stark) zurücknehmen. Für Strauch- und Kletterrosen gilt: Auf jeder Etage gilt die Regel der starken und schwachen Triebe ebenso wie die Notwendigkeit eines luftig-lockeren Aufbaus.

 

Strauchschnitt für dichten Wuchs und viele Blüten

Der Sommerflieder mit dem schönen Namen Schmetterlingsstrauch wird jährlich im Herbst oder Winter stark zurückgeschnitten, je nach Triebstärke und Erscheinungsbild ca. 40–80 cm über dem Boden. Belohnt werden wir mit großen, üppigen Blütenständen. Forsythien gehören wie auch die meisten Wildrosenarten zu einer Gruppe von Sträuchern, die in der Mitte am besten austreiben: kürzen zu starker Sträucher in beliebiger Höhe und bodennah in beliebiger Breite. Außerdem jährlich einige der Quertreiber aus der Mitte ausschneiden. Haselnusssträucher werden im drei bis fünfjährigen Umtrieb ausschließlich am Boden gekürzt, können aber von Zeit zu Zeit auch komplett auf den Stock gesetzt werden. Dazu wird der komplette Strauch etwa 30 cm über dem Boden abgeschnitten.

Kategorien Garten