Illustratorin der Gärten

Die Illustratorin Katie Scott lebt in London und ist bekannt für berührende Zeichnungen von Pflanzen. Um ihnen nahe zu sein, verbringt sie viele Stunden in botanischen Gärten und Gewächshäusern.

Ein Blick auf den Schreibtisch zeigt, mit welchen Themen sie sich beschäftigt: Er ist umgeben von Pflanzen und Büchern. Ihren eigenen und jenen von Künstlern und Wissenschaftlern wie Ernst Haeckel oder Fritz Kahn, alle mit einem Hang zum sonderbar Wundervollen, mit Hingabe zum Detail und Gespür für  Formgestaltung. „Meine visuelle Sprache bindet Elemente aus historischen wissenschaftlichen Kunstwerken ein“, betont sie, „und gibt ihnen hoffentlich eine Wendung in die Gegenwart.“

 

„Pflanzen müssen nicht immer liebenswürdig sein. Ich möchte gerne ihre dunklere Seite beleuchten und ihnen eine Fülle an Persönlichkeiten verleihen.“


Kleine Anleitung zum Zeichnen

Hier zeigt uns Katie, wie sie beim Zeichnen vorgeht. Egal ob auf Papier oder am Rechner, die Methode ist dieselbe.

Schritt 1

Es ist immer am besten, eine echte Pflanze als Vorlage zu nehmen. Nur so kann man sie vollständig erfassen, jede Form und Textur genau untersuchen und auf die Funktionen schließen. Für diese Zeichnung habe ich mir einen Farnzweig als Vorlage vorgenommen. Das Vorgehen ähnelt einer wissenschaftliche Studie, die Pflanze muss allerdings nicht eins zu eins übertragen werden. Der Zweig dient zwar als Referenz, aber es bleibt noch Raum für Kreativität. Allerdings ist es wichtig, die Pflanze zu verstehen, bevor man sich kreativ auslebt. Sobald man die anatomischen Prinzipien erfasst hat, lassen sie sich auch wie gewünscht interpretieren und variieren.

Schritt 2

Die Komposition ist die halbe Miete. Zunächst zeichne ich die Silhouette vor. Es ist wie mit einer ersten Skizze, nur dass ich sie direkt mit Farbe fülle, um abzuschätzen, ob die Komposition auch später funktioniert. Wenn es als Farbfläche wirkt, funktioniert es, auch wenn die Illustration ausgearbeitet ist. Am Computer nutze ich verschiedene Ebenen in Photoshop und einen dicken Pinsel. Wenn ich mit Papier arbeite, greife ich für diesen Schritt zu einem Filzstift oder einem anderen Stift, der durchscheint, wenn man ein zweites Blatt darüberlegt.

Schritt 3

Als nächstes arbeite ich die Umrisse und Linien aus. Dies geschieht am Rechner in einer neuen Ebene oder auf einem neuen Blatt, das ich auf das erste Papier lege. Die Verzweigungen und Übergänge von Blättern zum Stamm erfordern die meiste Aufmerksamkeit, ebenso die Blattränder der Pflanze. Da meine erste Vorzeichnung als Unterlage dient, muss ich mich nicht so sehr um das Gesamtbild sorgen, sondern kann mich voll und ganz den Feinheiten widmen

Schritt 4

Wenn ich mit den Umrissen und Details zufrieden bin, kommt die Farbe ins Spiel. Am Rechner benutze ich verschiedene Nuancen eingescannter Wasserfarben. Auf Papier verwende ich die Wasserfarben direkt. Durch die verschiedenen Farbtöne kommen Licht und Schatten hinzu, was der Zeichnung weitere Detailtreue gibt. In diesem letzten Schritt geht mein Blick immer wieder zu meiner Vorlage, um zu verstehen, wie die Farben zusammenspielen.