„Ich möchte die Energie des Waldes spürbar machen“ – Fotograf Erik Chmil im Gespräch

Für Erik Chmil ist der Wald mehr als eine Landschaft: Er ist Rückzugsort, Inspirationsquelle und ein Stück Verbindung zur eigenen Natur. Seine Fotografien entstehen an besonderen Orten und sollen nicht dokumentieren, sondern Gefühle auslösen. Ein Gespräch über stille Momente, Kraftorte und die heilende Atmosphäre des Waldes.

Du beschreibst den Wald als einen Ort der Klarheit. Erinnerst du dich an einen Moment, in dem du diese Wirkung besonders intensiv erlebt hast?


Erik Chmil: Bewusst wahr genommen habe ich das in Verbindung mit meiner Arbeit als Fotograf in der für uns alle sehr schwierigen Phase der Corona-Zeit. Ich bin oft in den Wald gefahren, um für mich zu sein und um ein wenig Ruhe zu finden. Nach ein paar Stunden im Wald ging es mir psychisch immer besser und ich hatte Kraft und Ideen. Rückblickend fiel mir dann auf, dass wir in der Kindheit immer wieder im Wald waren, und ich auch Urlaube in meiner Jugend größtenteils in skandinavischen Wäldern verbracht habe – wie ich heute weiß: aus gutem Grund.

Du sprichst davon, dass deine Fotografien keine Dokumentation sind, sondern Atmosphäre vermitteln. Was bedeutet das konkret?

Es sind immer besondere Orte – Kraftorte, die ich aufspüre und erst mit der Zeit vor Ort entscheide ich, ob ich dort ein Foto machen möchte. Ich beobachte das Licht und entscheide, zu welcher Lichtsituation ich zurückkehre. Oft fange ich dann mit einem Standpunkt in der Dunkelheit an und belichte die verschiedenen Sonnenstände. Später kombiniere ich verschiedene Belichtungen und Stimmungen in einem Bild, dadurch wird das Bild verdichtet und schafft eine Atmosphäre, die das Erleben vor Ort widerspiegelt.
Ich möchte das die Energie des Ortes transportiert und spürbar wird.

Du hast viele Jahre in der Werbe- und Automobilfotografie gearbeitet. Was hat dich schließlich zurück in den Wald geführt?

Auf meinen vielen Reisen für Auftragsarbeiten habe ich immer wieder versucht, auch die Landschaft und Wälder der Länder zu erkunden. Bewusst zurück in den Wald hat mich also eigentlich die Erkenntnis geführt, dass uns Wald einfach gut tut und ich dem Wald auch irgendwie ein Gesicht in der Kunst und in unserem Alltag geben will.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass schon der Blick auf Bäume Stress reduzieren kann. Wie beeinflusst dieses Wissen deine Arbeit als Fotograf?


Ja, das ist ganz wichtig und wurde mir auch mit den ersten ausgestellten und gezeigten Bildern gespiegelt. Wir entfernen uns in vielen Bereichen immer mehr von unserem eigentlichen Ursprung, unserer Natürlichkeit und unserer eigenen Schöpferkraft. Meine Bilder sollen auch als Zeichen und Erinnerung zu mehr Natürlichkeit dienen. Dass es dazu auch immer mehr Studien gibt, bestärkt mich in meinem Weg.

Wonach suchst du, wenn du mit der Kamera durch den Wald gehst?


Ich suche und recherchiere vorher besondere Waldgebiet und Gegenden, weil ich möglichst unterschiedliche Landschaften mit der Zeit abbilden möchte. Konkret geht es dann aber darum das bewusste „suchen“ abzuschalten, sondern eher in ein fühlen zu kommen, und der Intuition zu folgen. Meist sind es sehr abgelegene Plätze, wo es mich hintreibt.

Was macht für dich ein Bild zu einer „Healing Atmosphere“?


Es ist, wenn du über das Abgebildete hinaus ein Gefühl und eine Schwingung für die Energie des Bildes spürst.
Besonders schön ist das bei Kindern zu sehen, die vor einem großen Waldbild stehen, die haben sofort eine Emotion zu dem Bild und können diese auch sehr schön beschreiben.

Inwiefern kann Kunst ein Stück Natur zurück in den urbanen Alltag bringen?


Wolf-Dieter Storl hat es sehr schön in seinem Buch „Wir sind Geschöpfe des Waldes“ beschrieben. Der Wald ist nicht nur eine Ansammlung von Bäumen, sondern der kulturelle Hintergrund, aus dem wir Menschen hervorgegangen sind. Ein Bild kann den Wald nicht ersetzen – aber es kann uns daran erinnern, dass er in uns ist. Diese Erinnerung im Alltag lässt sich durch ein Kunstwerk immer mit einem Gefühl der Freude verbinden.

Gibt es einen Wald oder einen Ort, zu dem du immer wieder zurückkehrst – und warum gerade dorthin?


Prinzipiell befriedigt die Landschafts- und Waldfotografie auch immer meine Neugierde nach etwas Neuem. Aber trotzdem komme ich immer wieder sehr gerne in die Wälder des Schwarzwaldes zurück, dort habe ich die Serie begonnen und auch die erste Begeisterung bei Käufern der Bilder gespürt.

Was wünschst du dir, dass Menschen empfinden, wenn sie eines deiner Bilder in ihrem Zuhause oder Arbeitsplatz haben?

In jedem Fall ein Gefühl der Freude, der Wärme, Geborgenheit und Ruhe. Mir gefällt dazu: „Der Still lauschen“.

Zur Person: Erik Chmil

Erik Chmil ist Fotograf und Gründer von wood__you. Nach seinem Fotografie-Studium an der Hochschule Düsseldorf und der École des Beaux-Arts de Besançon arbeitete er viele Jahre in der Architektur-, Werbe- und Automobilfotografie. Seine Auftragsarbeiten führten ihn rund um die Welt und prägten seinen Blick für Licht, Raum und besondere Stimmungen.

Mit der Serie „Healing Atmospheres“ widmet er sich heute der Verbindung von Natur, Kunst und menschlichem Wohlbefinden. Seine atmosphärischen Waldfotografien sollen nicht nur Landschaften zeigen, sondern die Ruhe, Tiefe und Energie besonderer Orte spürbar machen.

Fotos: Erik Chmil

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