Die Liebe zum alten Holz

Florenz ist Wahlheimat der Restauratorin Jane Harman. Sie ist eine Liebhaberin und Bewahrerin schöner alter Dinge. Insbesondere solcher aus Holz.

Wir überqueren den Ponte Vecchio und tauchen in das Leben auf der anderen Flussseite ein. Es ist das Florenz der Künstler und Handwerker, das sich uns in den Vierteln Oltrarno und Santo Spirito präsentiert. Die Restauratorin Jane Harman, gebürtig aus Glasgow, arbeitet schon lange hier. „Vor knapp 30 Jahren habe ich an diese Tür geklopft“, erzählt sie uns lächelnd. „Ich hatte in Schottland Kunst studiert und war für ein Praktikum nach Florenz gekommen.“

Der Restaurator, der damals die Werkstatt betrieb, staunte nicht schlecht über Janes Anfrage. Schließlich hatte sie noch nie mit Möbeln gearbeitet, kam völlig blauäugig daher – dafür aber lerneifrig. „Mein gesamtes Wissen stammt von ihm, meinem damaligen Lehrmeister. Er war ein Spezialist für Schellackpolitur. Diese Technik, war in den 50er- und 60er-Jahren sehr beliebt. Als er sich zur Ruhe setzte, habe ich mit der Werkstatt dann auch seine Spezialisierung übernommen“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern.

Das Polieren mit Schellack ist ein handwerklich aufwendiges und sehr zeitintensives Verfahren. Mithilfe eines Wollfilzpads, das mit einem weichen Tuch umwickelt ist, wird dabei der Lack in kreisenden Bewegungen immer und immer wieder ins Holz eingearbeitet. Weil diese Arbeit so meditativ ist, liebt die Restauratorin die alte Technik. Aber manchmal, wenn ihr nach einem schnelleren Ergebnis ist, fertigt sie hübsche Schmuckstücke und kleine Einrichtungsgegenstände an. Die Ideen dazu entwickelt Jane gemeinsam mit ihrer Nachbarin Giuditta, einer Grafikdesignerin. Verkauft werden die Holzaccessoires gleich nebenan im eigenen Laden.

Text: Ilona Marx
Foto: Thekla Ehling


				
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