Die Weberin Amy Revier

Wenn Amy Revier das Schiffchen zwischen den Garnen bewegt, herrscht pure Konzentration. Die Künstlerin arbeitet an einem traditionellen schwedischen Schaftwebstuhl.

Wenn ich an meine Kindheit in Texas denke, verstehe ich, warum ich Stoffe so sehr mag und heute als Künstlerin damit arbeite. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, in der Nähe von Austin. Mein Großvater war Farmer und brachte immer wunderschöne Textilien der Navajo-Indianer mit, wenn er in Wyoming Sättel verkauft hatte. Ich weiß noch ganz genau, wie ich in der Scheune stand und die Stoffe anstarrte und bewunderte. Von klein auf war diese Leidenschaft da, die sich jetzt offenbart.

Später ging ich nach Dallas und studierte Bildhauerei, obwohl ich doch immer weben wollte. Aber damals, zwischen 2005 und 2009, akzeptierte die Kunstwelt Textilien nicht. Sie galten bestenfalls als Kunsthandwerk, man dachte dabei an Weiblichkeit und Häuslichkeit. Daran hatte ich aber überhaupt kein Interesse! Ich mochte es einfach sehr, Dinge herzustellen und Textilien in Skulpturen einzubringen – auf performative Art.

Und dann kam Island! Nach meinem Abschluss in Dallas führte mich ein Stipendium für sechs Monate dorthin, und es war eine wirklich besondere Zeit. Zuvor war ich andauernd aktiv, hatte Kommissionen geleitet und überall mitgemacht. In Island gab es plötzlich viel Zeit und Ruhe. Ich konnte nachzudenken, lesen, in mich hineinhorchen. Das Weben allerdings blieb, auch dort. Mir wurde klar, dass es eine sich leise entfaltende Konstante in meinem Leben werden sollte.

Seit fünf Jahren ist nun London unser Zuhause. Das von meinem Partner, dem Philosophen Clayton Littlejohn, meinem Webstuhl und mir. Wir haben es gut und können ganz nah an diesem wunderbaren Park Hampstead Heath in einer 30er-Jahre-Wohnung leben. Mein traditioneller schwedischer Schaftwebstuhl ist riesig und füllt fast einen ganzen Raum. Zum Glück wirkt er so leicht und luftig und dominiert das Zimmer trotzdem nicht.

Ursprünglich hatte ich ja den vermeintlichen Rolls-Royce unter den Webstühlen gekauft, aber dann merkte ich, dass ich gar nicht so etwas Kompliziertes brauche. In diesem Webstuhl hier jedoch steckt Geschichte. Er hat so viel mehr Charakter, es ist eine wahre Freude, mit ihm zu arbeiten. Er bewegt sich mit dir.

In Zukunft würde ich gerne mehr Skulpturen machen. Dafür brauche ich aber viel mehr Platz. Wer weiß – es gibt da eine tolle alte Garage in der Nähe … Und dann nimmt Amy Revier das Weberschiffchen und beginnt ihre Hände quer durch die sorgfältig positionierten japanischen Garne zu bewegen. Kurz spricht sie noch einmal über ihre Liebe zum Weben und zur Intensität dieser Arbeit, bevor sie sich in einer Kombination aus Konzentration und Besinnlichkeit verliert.

Hier geht es zur DIY Idee der Künstlerin.

Fotos: Freunde von Freunden

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Wir treffen die Algenzüchterin Jamie Lee, die unter Wasser an einer Ressource der Zukunft arbeitet, und ein Paar, das sich mit „Mission to Marsh“ für die Rettung unserer Moore einsetzt.

Außerdem besuchen wir die Künstlerin Johanna Jung im Wendland und sprechen mit Kathrin Hartmann über die große Wirkung kleiner Initiativen und mit Nepomuk Pfaff über die kleinsten Lebewesen unserer Erde. Dazu: Ayurveda, herbstliche Warenkunde, Buchtipps und eine besondere Frucht von Korfu.

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