Helft den Bienen!

Bienen sind unsere besten Freundinnen im Sommer. Wie können wir ihnen helfen? Ein Besuch bei den Bio-Imkern David Gerstmeier und Tobias Miltenberger

Text Susanne Siebel Foto Barbara von Woellwarth

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Was geschieht, wenn der Winter kommt?
David Gerstmeier: Im Herbst brauchen Bienen viel Kraft. Die Bienen bilden Innenraum und Wärme, sie sind müde und anfälliger und brauchen Futter. Die Notfütterung besteht aus Biozucker, mindestens zehn Prozent Honiganteil, Kamillentee und einer Prise Salz. Wir geben ihr, was sie braucht, um sich zurückzuziehen, und müssen dann loslassen.

Welchen Raum braucht ein Bienenvolk?
DG: Die Biene verändert sich als Organismus während eines Jahres. Es ist unfassbar zu sehen, wie das Bienenvolk im Winter auf 20 Kubikzentimeter zusammendrängt und im Frühjahr einen Radius von drei Kilometer ausdehnt. Wie ein- und ausatmen. Es gibt Leute, die meinen, der Bien sei das größte Tier, der größte zusammenhängende Organismus. Zusammenhängen, das machen sie tatsächlich. Wenn sie bauen, dann bilden sie Bauketten. Dann sieht man, wie sie aneinanderhängen.
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Was berührt Sie bei der Imkerei?
Tobias Miltenberger : Das Schwarmerlebnis ist ein außergewöhnliches Naturereignis. Ein neues Volk wird geboren, es bildet sich eine Einheit. Beim Bienenvolk gehen wir von einem Wesen, einem Organismus aus: dem Bien. Die einzelne Biene, etwa eine Arbeiterin, ist eine ausdifferenzierte Zelle. Eine Sommerbiene lebt zum Beispiel nur sechs Wochen. Das ist wie bei uns Menschen, wenn sich eine Zelle erneuert. Wir sind sehr bedacht darauf, diese Integrität zu bewahren. Wenn ich beobachte, wie sich das ursprüngliche Bienenvolk teilt und dann wieder zusammenfügt, bin ich tief gerührt. Das ist wirklich wie eine Geburt, es entsteht eine neue Einheit, ein neuer Körper, ein neuer Bien.

Wenn ich beobachte, wie sich das ursprüngliche Bienenvolk teilt und dann wieder zusammenfügt, bin ich tief gerührt.

Ist die Königinnenentwicklung die Krönung?
DG: Uns ist es wichtig, den Bedürfnissen der Biene gerecht zu werden. Wir lassen sie ihr Wabenwerk selbst errichten. In der konventionellen Imkerei werden vorgefertigte Wachsmittelwände benutzt. Das natürliche Wabenwerk aber ist das „Knochengerüst“ des Bienenvolkes, also etwas sehr Individuelles. Bei uns entsteht die Königin vom eigenen Volk, um ihre Integrität zu bewahren. Sie wird nicht künstlich besamt, nicht von anderen Völkern eingesetzt, ihre Flügel werden nicht gestutzt, und markiert wird sie auch nicht. Sie kann sich absolut frei bewegen und ist nicht durch eine Absperrung von einem Teil des Bienenstockes getrennt.

 

Was entscheidet die Bienenkönigin?
TM: Sie trifft nur die Entscheidung für ihre Aufgabe der Fortpflanzung. Sie entscheidet nicht, ob das Volk ausschwärmt. Das Volk schubst die Königin, bevor es losgeht, rum, damit sie fit wird für den langen Flug. Sie muss abnehmen, um überhaupt weiter als ein paar Meter fliegen zu können.

Was können wir vom Bienenvolk lernen?
TM: Absolute Demokratie! Das Bienenvolk trifft Entscheidungen gemeinsam. Beim Schwarmgeschehen kann man beobachten, wie sich einzelne Spürbienen aus der Schwarmtraube lösen, losfliegen und einen geschützten Raum suchen. Sie kommen zurück und informieren die anderen über die Qualität der Behausung durch den Schwänzeltanz. Die Biene drückt ihre Begeisterung durch die Intensität des Tanzes aus. Dann ziehen aus demselben Schwarm mehr Bienen los und überprüfen den Vorschlag oder machen sogar einen Gegenvorschlag. Das kann bis zu drei Tage dauern. Wenn 70 Prozent der Bienen übereinstimmen, wird losgezogen.

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Wie können wir Bienen unterstützen?
TM: In der Stadt geht es der Biene erstaunlicherweise besser als auf dem Land. Es gibt oft mehr blühende Bäume und sogenannte Unkräuter. Wer statt überzüchteter Blumen lieber Kräuter in den Kasten pflanzt, hilft den Bienen. Beim Honigkaufen oder bei eigener Bienenhaltung, immer sollte man auf wesensgemäße Imkerei achten. Wer Bio-Lebensmittel kauft, bewahrt dadurch die Biene vor Ackergiften und schädigenden Pestiziden.

In der Stadt geht es der Biene erstaunlicherweise besser als auf dem Land

Warum kommen Menschen zu Ihren Seminaren?
DG: Menschen, die Bienen halten, wollen nicht um jeden Preis das Maximale an Honig herausholen. Die Leute machen das aus Faszination. Die neue Imkerei ist übrigens weiblich, unsere Kurse werden vorwiegend von Frauen belegt. Bei einer Imkerei, die sich an hohen Erträgen orientiert, kann die Biene ihr natürliches Wesen nicht leben. Das schwächt sie und unterdrückt ihr Schwarmverhalten.
www.summtgart.de

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