„Alles, was ich über Öko-Landbau weiß, habe ich hier gelernt“

Der syrische Landwirt Waled Al Youseff  versucht im Libanon einen Neuanfang. Der Öko-Landbau gibt ihm Hoffnung.

Werde Magazin - Saat des Friedens

Der aus Syrien geflüchtete Landwirt Waled AL Youseff hat zusammen mit seiner Frau und dem französischen Geschwisterpaar Ferdinand und Zoé Beau einen biologisch bewirtschafteten Hof am Ortsrand des syrischen Dorfes Saadnayel, eine Stunde von Beirut entfernt, gegründet. Dessen Name „Buzurna Juzurna“ bedeutet „unser Saatgut sind unsere Wurzeln“.

Was bedeutet es für dich, an diesem Ort zu leben und zu arbeiten?
Waled Al Youseff: Es bedeutet mir sehr viel, denn hier genieße ich die Freiheit, eine große Vielfalt an essbaren Pflanzen anzubauen. Außerdem ist mir noch mehr bewusst geworden, was ich esse. Ich weiß, wie rein mein eigenes Gemüse ist. Das ist viel gesünder für uns und unsere Kinder, auch in der Zukunft. Und es ist besser für die Natur. Was wir hier tun, ist ein wichtiges Konzept, und wir wollen es an die nächsten Generationen weitergeben.

Kanntest du den ökologischen Landbau schon in deiner Heimat Syrien?
Früher gab es zwar Bio-Saatgut, aber es wurde mit der Zeit immer weniger. Weil wir keine anderen Informationen bekamen, arbeiteten wir mit Hybridsaatgut. Alles, was ich über Öko-Landbau weiß, habe ich von meinen Freunden hier im Libanon gelernt. Die Grundidee ist ja nicht neu: Schon unsere Vorfahren haben so gearbeitet. Wir wollen die Tradition einfach nur mit anderen Werkzeugen wiederbeleben.

Willst du mit dieser Landwirtschaft weitermachen, wenn du wieder zu Hause bist?
Ich denke darüber nach, das Ganze in der Heimat größer zu betreiben. Mit einem größeren Hof und noch mehr Tieren. Ich will die gleichen Methoden anwenden wie hier, auch das Kompostieren. In Syrien haben wir einfach nur mit fertigem Kompost gearbeitet. Jetzt weiß ich, wie ich den Kreislauf schließe, mit dem gleichen Material, das ich angebaut habe.

Zur Person
Waled AL Youseff ist syrischer Landwirt und Mitbegründer von Buzurna Juzurna. Bevor er 2012 aus seiner Heimatstadt Aleppo in den Libanon floh, bewirtschaftete er mit seiner Familie drei Hektar Land und kultivierte vor allem Weizen. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen drei Kindern in einem selbst gebauten Zelt gleich hinter der Farm.