Die Genossenschaft BioBoden kauft Ackerflächen auf, die sie dann langfristig an Landwirte verpachten.

„Der Boden ist eine Grundlage wie Luft und Wasser“

Die Genossenschaft BioBoden kauft Ackerflächen auf, die sie dann langfristig an Landwirte verpachtet. Die einzige Bedingung: diese müssen ökologisch anbauen.

Plötzlich standen dreizehn Landwirte aus der Uckermark vor einer großen Herausforderung – ihre Existenz stand auf dem Spiel. Denn die Äcker und Böden, die sie lange Zeit gepachtet hatten, sollten verkauft werden. Da kam Uwe Greff auf die Idee, die BioBoden Genossenschaft zu gründen. Als einer der zwei hauptamtlichen Vorstandsmitglieder hat er seit 2015 inzwischen insgesamt 4000 Hektar Ackerboden für nachhaltige Landwirtschaft erworben.

Gemüse wächst auf bepflanzten AckerflächtenHerr Greff, warum kaufen Sie mit BioBoden Ackerflächen auf?
Uwe Greff Aus einem ganz einfachen Grund: weil die Bauern es nicht können. Im bundesweiten Durchschnitt muss der Landwirt 60 Prozent seines Bodens pachten.

Und das ist problematisch?
Uwe Greff  Ja, denn die Menschen, die Land verpachten, setzen Verträge mit zu kurzen Laufzeiten auf. Im Schnitt bindet sich ein Grundbesitzer nur zwei Jahre lang. Die Bauern brauchen aber Planungssicherheit, die nur bei längeren Laufzeiten möglich ist. Nehmen wir einen Biobauern als Beispiel. Er bekommt nur dann eine Förderung für seine Flächen, wenn er darauf mindestens fünf Jahre in Folge ökologischen Landbau betreibt. Wird ein zweijähriger Pachtvertrag nicht verlängert, muss er die Förderung zurückzahlen.

„Im Schnitt bindet sich ein Grundbesitzer nur zwei Jahre lang. Die Bauern brauchen aber Planungssicherheit, die nur bei längeren Laufzeiten möglich ist.“

Oder stellen wir uns vor, ein Landwirt möchte einen neuen Stall bauen oder eine Maschine anschaffen. Ohne die Sicherheit des Bodens, der die Grundlage seiner Arbeit und wirtschaftlichen Planung ist, ist eine Finanzierung sehr schwierig. Auch ökologisch ist die Dauer des Pachtvertrags entscheidend. Wenn wir von Landwirten verlangen, dass Sie gut mit Böden umgehen und die Bodenfruchtbarkeit fördern, bedeutet das einigen Mehraufwand. Diesen wird der Landwirt nur betreiben, wenn er weiß, dass er den Ertrag dieses Aufwands auch ernten wird.

Sie springen für die Landwirte ein. Wie gehen Sie dabei vor?
Uwe Greff  Wir werden erst aktiv, wenn ein Landwirt auf uns zukommt, weil er zum Beispiel seinen Hof vergrößern möchte. In den vergangenen Jahren hat die BioBoden Genossenschaft für 70 Landwirte Ackerboden erwerben können. Das heißt, wir kaufen Boden, der für einen Landwirt interessant ist, und verpachten ihn ihm dann. Dabei schließen wir 30-jährige Pachtverträge ab. Diese Begrenzung gibt es nur, weil im Bürgerlichen Gesetzbuch keine längeren Laufzeiten vorgesehen sind. Im Grunde verpachten wir die Flächen dauerhaft. Allerdings nur an Landwirte, die sich verpflichten, nach den strengen Grundsätzen eines Öko-Anbauverbandes zu wirtschaften. Der Effekt: der Boden ist gesichert. Wir planen nicht, ihn wieder zu verkaufen.

„Wir schließen 30-jährige Pachtverträge ab. Diese Begrenzung gibt es nur, weil im Bürgerlichen Gesetzbuch keine längeren Laufzeiten vorgesehen sind.“

Woher kommt das Geld, mit dem Sie Land kaufen?
Uwe Greff  Das Geld kommt von unseren 5500 bundesweiten Mitgliedern. Diese Menschen beteiligen sich aus unterschiedlichen Gründen. Einigen sind regionale Bio-Lebensmittel wichtig. Andere handeln, weil sie  biologischen Landbau fördern möchten oder weil es ihnen darum geht, Ackerboden zu erhalten. Täglich kommen neue Mitglieder zur Genossenschaft und ermöglichen weitere Landkäufe. Das zeigt uns, wie gut die Menschen die Notwendigkeit zu handeln nachvollziehen können.

Wieviel Geld haben Sie bereits eingenommen?
Uwe Greff  Durch unsere Mitglieder sind 43 Millionen Euro zusammen gekommen.

„Wir verpachten nur an Landwirte, die sich verpflichten, nach den strengen Grundsätzen eines Öko-Anbauverbandes zu wirtschaften.“

Wie viel Land bekommen Sie dafür?
Uwe Greff  Wir haben aktuell 4000 Hektar für unsere Partnerhöfe sichern können. Im Bundesdurchschnitt kostet ein Hektar – das sind 10.000 Quadratmeter Land – rund 18.000 Euro. Wobei die Preisspanne von 5.000 Euro bis 100.000 Euro pro Hektar reicht. Am teuersten ist das Land dort, wo hoher Siedlungsdruck herrscht, zum Beispiel rund um Stuttgart oder München. Ich mache allerdings die Erfahrung, dass sich die Landwirte auch gegenseitig Konkurrenz machen. Meiner Meinung nach wird dadurch am meisten Preisdruck aufgebaut. Der Boden ist so umkämpft, weil er eine begrenzte Ressource ist, die obendrein immer weniger wird.

Wodurch geht Ackerboden verloren?
Uwe Greff  Zum einen verlieren wir in Deutschland jeden Tag 65 Hektar Boden durch Siedlungsbau. Interessanterweise siedeln die meisten Menschen am liebsten dort, wo der Boden fruchtbar ist, auch wenn ihnen das nicht bewusst sein mag. Hinzu kommt, dass der Siedlungsbau an Ausgleichsmaßnahmen geknüpft ist. Wenn Sie an einer Stelle bauen, müssen Sie an anderer Stelle Hecken pflanzen oder das Land als Biotop nutzen. Auch diese Flächen werden der landwirtschaftlichen Produktion entzogen.

„Wir verlieren in Deutschland jeden Tag 65 Hektar Ackerboden Boden durch Siedlungsbau.“

Zum anderen erodiert der Boden. Die industrielle Landwirtschaft fördert die Bodenerosion. Strenggenommen ist der Boden zwar dann noch da, aber die fruchtbare Schicht ist weg. Es gibt noch weitere Gründe: Wenn sich Landwirte, die keine Nachfolger haben, zur Ruhe setzen, verkaufen sie ihr Land oft. Ich habe erlebt, dass es sogar Menschen, denen gesunde Lebensmittel wichtig sind, dabei plötzlich nur noch ums Geld geht und nicht mehr um den Erhalt des Landes für die kommenden Generationen.

Woher kennen Sie diese Landwirte?
Uwe Greff  Der Kontakt kommt über unsere Genossenschaft zustande. Wir organisieren Veranstaltungen, um die Grundstücksbesitzer mit ins Boot zu holen. Sie erzählen von ihren Erfahrungen. Ich nehme oft Betroffenheit und Scham wahr, vielleicht auch Dankbarkeit für den Hinweis, dass man doch etwas tun kann.

„Es geht uns nicht um eine Geldanlage, sondern darum, dass Boden wie Wasser und Luft ein Gut ist, das wir als Grundlage benötigen.“

Land an BioBoden zu verkaufen ist aber nicht der einzige Weg.
Uwe Greff  Natürlich nicht. Stellen Sie sich vor, Sie kommen in ein Dorf mit einer Maiswüste drum herum. Die Menschen, die dort leben, sind frustriert. Sie haben die Flächen an einen Landwirt verpachtet, der nur Mais für Biogasanlagen produziert. In diesem Fall beraten wir die Landbesitzer dahingehend, dass Sie an den nächsten Pachtvertrag bestimmte Bedingungen knüpfen. So können sie in Verträgen festschreiben, wie das Land genutzt werden soll. In diesem Zusammenhang verweisen wir auf Fairpachten.org, das ist ein Projekt der Nabustiftung, für Menschen, die solche Zusätze in Pachtverträge einfügen wollen.

Was unterscheidet Sie von anderen, die Boden erwerben?
Uwe Greff  Wir haben besondere Interessen. Es geht uns nicht um eine Geldanlage, sondern darum, dass Boden wie Wasser und Luft ein Gut ist, das wir als Grundlage benötigen. Wir müssen dafür sorgen, dass dieses Gut erhalten bleibt, vielleicht sogar verbessert wird, durch Humusaufbau.

„Viele Menschen wollen sich engagieren, aber wissen nicht wie. Durch unsere Genossenschaft ist es einfach, Geld effektiv und sinnvoll wirken zu lassen.“

Wie erreichen Sie mit dieser Botschaft die Verbraucher und Verbraucherinnen?
Uwe Greff  Die Konsumenten haben immer weniger Verbindung zum Boden und zum Anbau von Lebensmitteln. Wir lesen in der Zeitung: „Die Bodenfruchtbarkeit geht zurück“, aber es scheint, als hätte das nichts mit unserem Alltag zu tun. Das ist umso bedenklicher, weil der Boden schnell degradiert, während der Humusaufbau Jahrzehnte dauert. In Informationsveranstaltungen bei unseren Partnern wie der GLS Bank, der NABU Stiftung, Weleda und vielen Naturkostläden versuchen wir, ein Bewusstsein für den Wert des Bodens zu schaffen.

Wie kann ich Mitglied der Genossenschaft werden?
Uwe Greff  Wenn Sie auf unserer Internetseite ein Formular ausfüllen und es uns schicken, können Sie Anteile der BioBoden Genossenschaft erwerben. Viele Menschen wollen sich für einen nachhaltigen Umgang mit der Welt engagieren. Aber sie wissen nicht genau wie und haben nicht so viel Zeit, sich darum zu kümmern. Durch unsere Genossenschaft ist es einfach, Geld effektiv und sinnvoll wirken zu lassen. Und dies an einer der wichtigsten Stellen: im Boden.

 

Zur Person
Uwe Greff ist gelerntet Bankkaufmann und war von 1993 bis 2015 leitender Mitarbeiter der sozial ökologischen GLS Bank. Seit 2015 ist er Vorstand der BioBoden Genossenschaft, und seit 2017 zudem Vorstand in der BioHöfe Stiftung.

 

 

 

 

Interview Stephanie Eichler   Foto Claudia Hübschmann