Werde_Somskat

„Kleidung darf nicht im Müll landen“

Viele Kleidungsstücke landen ungetragen im Müll. Trotzdem produzieren Modekonzerne ständig neue Kollektionen – meist am Bedarf der Kunden vorbei. Charly Schatz und Max Fesseler von Somskat wollen das ändern.

Mit ihrem Label Somskat  planen Charly Schatz und Max Fesseler Kleidungsstücke erst dann zu produzieren, wenn sie von Kunden bestellt werden. Sie wollen so Überproduktion vermeiden und ein großes Problem der Modeindustrie lösen.

Wie ist die Idee zu Somskat entstanden?
Charly Schatz: Die Idee gab es schon lange und ist in den letzten Jahren gereift. Ich habe die letzten Jahre in einem Modekonzern im Produkt- und Markenmanagement gearbeitet, bevor ich mich für das Start-up Leben mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeit und Social Business entschieden habe. Ich habe mich intensiv mit den Themen Nachhaltigkeit und bewusster Konsum beschäftigt und mir ist relativ schnell klar geworden: Wir dürfen unser Konsumverhalten nicht mit ‚grünen Produkten‘ kompensieren, sondern müssen grundlegend neue Ansätze entwickeln, um langfristig eine Veränderung voranzutreiben.

Vor allem das Problem der enormen Überproduktion in der Textilbranche hat uns nicht losgelassen. Nach vielen Diskussionen und Brainstorming-Stunden gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Max ist das Konzept von Somskat entstanden.

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Was ist eure Idee?
Charly Schatz: Wir wollen ein neuartiges, nachhaltiges Einkaufen ermöglichen. Das konventionelle System produziert Kleidung in dem Bewusstsein, dass ein großer Teil keinen Kunden finden wird. Das möchten wir ändern. Wir möchten eine attraktive Alternative schaffen: nachhaltige, ästhetisch-anspruchsvolle Mode, bei der Kunden und Kundinnen aktiver Teil der Wertschöpfungskette werden.  Wir haben ein Konzept entwickelt, bei dem Mode erst dann produziert wird, wenn die Nachfrage sichergestellt ist. Wir produzieren nur die Mengen, die von der Community vorab gekauft wurde. Das heißt, Kunden kaufen ein Kleidungsstück bei uns im Online-Shop, bevor es produziert wird. Ist die Mindestmenge erreicht, kann es losgehen. Diese Zyklen nennen wir Workshops.

 

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Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch?
Charly Schatz: Für uns heißt es, Entscheidungen unter den Auswirkungen auf nachfolgende Generationen und die Umwelt zu reflektieren und dabei nicht die erstbeste Alternative zu wählen.

Uns ist es wichtig, nicht nur mit zertifizierten oder innovativen Materialien zu arbeiten, sondern auch eine Möglichkeit zu bieten, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen und ressourcenschonend konsumieren zu können. Dafür braucht es einen neuen Ansatz.

Unsere Kunden und Kundinnen sollen mitentscheiden können, was produziert wird. Das bringt Hersteller und Kunden näher zusammen und es wird verhindert, dass Massen an Textilien hergestellt werden, nach denen niemand gefragt hat.

Was wollt ihr bewirken?
Charly Schatz: Es muss ein Umdenken in der Modeindustrie und vor allem im Konsumverhalten stattfinden, dafür können wir gemeinsam einen Unterschied machen und bedarfsorientiert produzieren. Für weniger Müll, weniger Verschmutzung.

Unser Ansatz soll langfristig aber noch weitreichender sein, denn wir möchten zukünftig mit jedem verkauften Produkt auch ein sozial-ökologisches Projekt unterstützen. Wir wollen mit dem Verein Taste of Malawi e.V. kooperieren– mit ihrer tollen Arbeit werden Frauen in Schneiderwerkstätten darin unterstützt, sich mit ihrem Können selbstständig zu machen und so finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen – und das in einer Umgebung, wo das alles andere als selbstverständlich ist. Female Empowerment und Bewahrung des Schneiderhandwerks!

Aber auch in kleinen Schritten wollen wir einen Unterschied machen. Wir wollen etwa wiederverwendbare Taschen für Versand verwenden, um unnötigen Verpackungsmüll zu vermeiden.

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Was ist eure Definition von Slow Fashion?
Charly Schatz: Für uns bedeutet Slow Fashion, dass Mode eben nicht den schnellen Trends und Strömungen folgt, sondern durch Schlichtheit und Langlebigkeit besticht. Wir möchten mit Somskat Kleidungsstücke anbieten, die auch in mehr als zwei Jahren noch Spaß machen und nicht ‚outdated‘ sind. Slow heißt zum Beispiel auch, dass wir nicht in klassischen Sommer- und Winterkollektionen denken, sondern eine Basis-Kapselkollektion anbieten: Kleidungsstücke, die non-saisonal miteinander kombiniert werden können. Diese wird es regulär im Online-Shop geben. Und auch das verstehen wir unter Slow Fashion: bewusstere, langsamere Konsumentscheidungen zu treffen.

Was war bis jetzt eure größte Herausforderung?
Charly Schatz: Es sind die vielen, kleinen Schritte. Etwas Eigenes auf die Beine zu stellen ist manchmal total unwirklich. Sich nicht entmutigen zu lassen ist herausfordernd, aber gibt auch mindestens genauso viel Kraft, wenn man sieht, wie aus den eigenen Ideen etwas Neues entsteht.

Gerade im Bereich Nachhaltigkeit möchte man immer alles richtig machen und erlegt sich selbst einen starken Druck auf – dem muss man erstmal standhalten.  Manchmal muss man aber auch abschalten, damit hat auch Somskat angefangen: Alles zu entschleunigen: die Modeindustrie, aber eben auch sich selbst und seinen Alltag. Und vielleicht auch nicht ganz unwichtig: dass wir nicht nur als Paar, sondern auch als Geschäftspartner bestens unterwegs sind.

Wie können eure Kunden für Designs abstimmen? 
Charly Schatz: Die Designs kommen aus unserer Hand, wir arbeiten aber immer wieder mit anderen Experten und Expertinnen zusammen. Sobald wir die ersten Kleidungsstücke bedarfsorientiert finanziert haben, können wir den Online-Shop launchen. Abhängig davon, wie erfolgreich unsere Kampagne bei Startnext ist, können wir auch schon mit der Entwicklung neuer Styles starten, die genau in diesem ressourcenschonenden Prozess angeboten werden.

Unsere Kunden und Kundinnen können das Kleidungsstück online vorbestellen und hinterlegen eine Zahlung. Der einzige Unterschied ist, dass sie länger auf die Lieferung warten, denn die Produktion nimmt einige Wochen in Anspruch. Sollte das Kleidungsstück nicht passen oder doch nicht gefallen, kann es natürlich regulär zurückgegeben oder umgetauscht werden.

Falls die Mindestmenge einmal nicht erreicht wird, werden wir auch keine Ressourcen in Anspruch nehmen und jeder bekommt sein Geld zurück.

Woher werden eure Stoffe und Materialien kommen?
Charly Schatz: Wir arbeiten u.a. mit einem deutschen Lieferanten zusammen, der die Rohmaterialien aus eigenen Fairtrade-Anbaugebieten in Uganda und Kirgistan bezieht. Die Stoffe sind GOTS und teils IVN-Best zertifiziert, welches eines der strengsten Nachhaltigkeitssiegel im Textilmarkt ist. Es sind ausschließlich bekannte, natürliche und harmlose Inhaltsstoffe im Herstellungsprozess erlaubt.

Ansonsten stellen wir sicher, dass die verwendeten Stoffe mindestens die GOTS-Zertifizierung vorweisen. Die Zertifizierung umfasst einen weitreichenden Katalog an umweltschonenden und sozialverantwortlichen Standards: So wird Kinderarbeit ausgeschlossen, existenzsichernde Löhne zugesichert und die Materialzusammensetzung garantiert einen Mehranteil aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft.

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Nach welchen Kriterien sucht ihr eure Lieferanten aus?
Charly Schatz: Uns sind persönliche Gespräche gerade in der Anfangszeit besonders wichtig, denn hier können wir gemeinsam mit den Lieferanten feststellen, ob unsere Überzeugungen übereinstimmen und wir uns eine Kooperation vorstellen können. Besonders wichtig ist uns dabei die offene Kommunikation und Transparenz. Wir möchten genau wissen, wo die Stoffe herkommen. Dafür sind wir regelmäßig auf den Stoffmessen, um uns auch persönlich kennenzulernen und die neuesten Entwicklungen zu entdecken.

Vor einigen Wochen waren wir zum Beispiel auch vor Ort bei unserer Produktionsstätte, einem Familienbetrieb in der Nähe von Warschau, in einer der früheren Textil-Hochburgen Europas. Das Team teilt unsere Überzeugung für eine faire und transparente Industrie, sie zahlen deutlich über dem Mindestlohn und sorgen für ein freundschaftliches Arbeitsklima – davon haben wir uns selbst vor Ort ein Bild machen können.

Habt ihr einen Verkaufsstore geplant oder wird eure Ware nur online vertrieben?
Charly Schatz: Ein Verkaufsstore ist momentan nicht geplant. Zu unserer Strategie gehört z.B. auch, auf Zwischenhändler zu verzichten, die unsere Produkte vertreiben, denn dafür ginge ein Großteil der Marge drauf, was sich wiederum in höheren Preisen zeigen würde. Wir wollen nachhaltige Mode nicht als Premium- oder Luxusprodukt positionieren, sondern durch gezielte Entscheidungen Einsparungen dort machen, wo sie keinen Mehrwert für Produkt, Umwelt oder Kunden bringen. Stattdessen konzentrieren wir uns auf einen starken Online-Shop und können unsere Produkte so anbieten, dass sie erschwinglich bleiben, damit sie eine echte nachhaltige Alternative werden können.

 

Zur Person:

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Charly Schatz hat die letzten Jahre in einem Modekonzern im Produkt- und Markenmanagement gearbeitet, bevor sie sich für das Start-up Leben mit den Schwerpunkten Nachhaltigkeit und Social Business entschieden hat. Max ist Wirtschaftsinformatiker und realisiert unter anderem die technische Umsetzung von Somskat.

Zu Somskat:

Das Crowdfunding für die Idee von Somskat beginnt am ersten Oktober. Hier erfahrt ihr mehr.