Evey Kwong Handbesen_Anna Rosa Krau

Fegen mit Tradition: So machst du einen Handbesen selbst

Ein traditioneller Handbesen ist ein gutes Werkzeug. Er macht nur leise Geräusche, braucht keinen Strom, und wer ihn selbst herstellt, könnte in einen glückseligen Flow geraten. Die Korbflechterin Evey Kwong zeigt Schritt für Schritt, wie ein Handbesen nach spanischer Tradition mit Espartogräsern von Hand entsteht.

Evey Kwong Handbesen Anna Rosa Krau

Wer gerne frisches, knuspriges Brot aufschneidet, weiß, wie weit die Krustenbrösel über den Tisch fliegen können. Meistens schieben wir sie mit der einen Handkante zusammen und sammeln sie in der Fläche der anderen Hand. Oder ein Salzfässchen fällt um. Man könnte zu vielen Gelegenheiten den elektrischen Handstaubsauger herbeiholen, der mit lautem Motorgeräusch alles sauber und gründlich entsorgt und an der Steckdose wieder geladen wird. Das geht schnell.

Wer stattdessen einen kleinen Handfeger benutzt, ist fast genauso schnell, hört bestenfalls das leise Geräusch der Borsten und kann das Zusammengefegte oft direkt in den Komposteimer geben. Schließlich entdecken wir gerade wieder, wie schön und sinnvoll es ist, Dinge von Hand zu erledigen. Oder sogar selbst herzustellen.

Evey Kwong Handbesen Anna Rosa Krau

Zum Beispiel einen Garten bestellen, ein Brot backen, einen Pullover stricken, eine Mütze nähen, einen Tisch schreinern. Oder einen Handbesen knüpfen, das geht ziemlich einfach. Unsere Anleitung zeigt, wie man einen ganz besonderen, traditionellen Feger herstellt.

Dieser Besen ist ein Allgemeingut

Denn dieser Handbesen ist ein kulturelles Erbe aus der Gegend von Albacete und Murcia im Südosten Spaniens. Der Besen ist ein Allgemeingut und wurde, wie alle traditionellen Flechtobjekte, für kein eindeutiges geografisches Gebiet erschaffen. Das Wissen und die Technik für die Herstellung dieses Kulturobjekts sind frei für alle Menschen zugänglich. Das muss auch in Zukunft genau so bleiben. Die Anfertigung dieses Besens in anderen Kulturkreisen ist willkommen, solange es nicht zu kommerziellen Zwecken geschieht.

Einige Dinge sind nötig: ein Bund Espartogräser (15 Minuten in Wasser eingeweicht), eine große Metallnadel und ein Nagelkamm.

So geht’s: Ein Handbesen in vier Schritten

Evey Kwong Handbesen Anna Rosa Krau
Schritt 1
Zwirnen
Den Anfang bildet eine Schnur im Maß von zwei Armlängen aus vier Gräsern. Damit sie gleichmäßig gezwirnt wird, zwei Gräser mit der dickeren Wurzelseite und zwei mit der spitzen Seite leicht verschoben zusammenlegen. Die Gräser in der Mitte falten und mit der rechten Hand drehen, bis sich eine Schlaufe bildet. Diese mit den unteren Fingern der linken Hand festhalten, während die andere die Gräser rechts weiterwindet. Die oberen Finger der linken Hand falten die linksseitigen Gräser nach rechts, die Schnur wird länger. Nun Gräser hinzuzwirnen bis zur anfangs genannten Länge.

 

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Schritt 2
Knüpfen
Wenn die Schnur lang genug ist, kommen die Gräser hinzu, die den Besen ausmachen. Dazu diesmal jeweils zwei Gräser wieder Wurzel gegen Spitze angeordnet zusammenlegen und in der Mitte falten. Sie werden mit einem einfachen Knoten wie auf dem Bild an der Schnur befestigt. Diesen Vorgang so lange und oft wiederholen, bis sich Gräser an Gräser so eng wie möglich aneinanderreihen und eine geknüpfte Gesamtlänge von etwa der Hälfte der Schnur erreicht ist.

Evey Kwong Handbesen Anna Rosa Krau
Schritt 3
Formen
Jetzt erhält der Handbesen seine runde Form und den Griff, an dem die Hand ihn umfasst. Dafür wird zunächst das Ende der Schnur in eine Schlaufe gefaltet. Jetzt die geknüpfte Gräserreihe eng und mit leichtem Versatz zusammenrollen. Der Handbesen nimmt seine Form an, und fast wie von selbst entsteht ein Griff. Um diesen zu sichern, wird die restliche Schnur in mehreren Lagen eng um den unteren Teil des Griffs gewickelt. Das Ende der Schnur, eingefädelt in eine große Metallnadel, von unten durch den Griff des Handbesens ziehen und gut festzurren.

Evey Kwong Handbesen Anna Rosa Krau
Schritt 4

Trimmen und kämmen
Im letzten Schritt die Gräser in der gewünschten Länge in einem leichten Bogen abschneiden. Für dieses Trimmen die Nadel von oben durch den Besengriff führen und die Schnur dieses Mal von oben nach unten festziehen. Schließlich wird diese Schnur auf Länge des Handbesens abgeschnitten und wieder entzwirnt. Nun kommt ein wichtiger Schritt zur Vollendung: Der fast fertige Besen muss mit einem Metallkamm gründlich und ausdauernd für mindestens zehn Minuten gekämmt und gebürstet werden, bis die Fasern ganz fein sind.

 

Bezugsquellen
Der Handbesen wird traditionell aus Espartogräsern angefertigt. Auf dieser spanischen Seite kann man das Material bestellen. Alternativ eignen sich Pfeifengras oder Benthalm aus Norddeutschland. 

 

Zur Person
Die in Berlin lebende Grafikdesignerin Evey Kwong hat Korbflechter in vielen Ländern besucht und sich mit dem kreativen Schaffensprozess auseinander gesetzt. Sie gibt ihr Wissen bei Kursen und Workshops weiter (futurprimitiv.org). 

Evey Kwong Anna Rosa Krau

Fotos Anna Rosa Krau